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| 18:35 Uhr

Wahlen in Spanien
Das Beste

 Martin Dahms
Martin Dahms FOTO: LR / MOZ
Der Wahlsieg von Pedro Sánchez ist das Beste, was Spanien passieren konnte. Sánchez ist ein Instinktpolitiker, dessen Instinkt erstaunlich gut funktioniert. Er hat ein besseres Gespür für das Machbare als viele stets wohlüberlegende Konkurrenten.

So ist er vor elf Monaten an die Macht gekommen, so wird er sich in den kommenden Jahren an der Macht halten können.

Nun braucht die spanische Politik, nach dreieinhalb Jahren Minderheitsregierungen, stabile Mehrheiten. Sánchez hat sich ein Türchen offen gehalten, um diese Mehrheit vielleicht gemeinsam mit den rechtsliberalen Ciudadanos hinzubekommen. Doch Ciudadanos-Chef Albert Rivera will lieber dem Präsidenten der konservativen Volkspartei, Pablo Casado, die Rolle als Oppositionschef streitig machen.

Aus der liberalen Not könnte Sánchez eine linke Tugend machen und gemeinsam mit Unidas Podemos eine unzweifelhaft sozialdemokratische Politik verfolgen. Das wäre die Politik, die Spanien braucht: eine, die nicht vor Steuererhöhungen zurückschreckt, um den viel zu schwachen Sozialstaat zu stärken und endlich wieder Geld in die Forschung zu stecken. Ein solches linkes Bündnis wäre auf die Duldung der katalanischen Separatisten angewiesen, das ist ihr Schwachpunkt. Sánchez wird all seinen politischen Instinkt brauchen, um sich mit den Separatisten zusammenzuraufen, ohne sich zu unmoralischen Angeboten an sie verlocken zu lassen.

politik@lr-online.de