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| 17:38 Uhr

Kommentar zum Massaker in den USA
Waffengewalt außer Kontrolle

 Peter DeThier
Peter DeThier FOTO: LR / MOZ
Die Zahlen sprechen Bände: Im bisherigen Jahresverlauf ereigneten sich in den USA an 215 Kalendertagen unglaubliche 249 Massen-Schießereien, bei denen jeweils mindestens vier Menschen verletzt oder ermordet wurden.

Dabei weiß jeder Amerikaner, nach welchem bewährten Muster im Gefolge der Tragödien in Texas und Ohio, bei denen mindestens 29 Menschen starben, die politische Debatte ablaufen wird. Demokraten werden ihre Forderung nach schärferen Waffengesetzen wiederholen. Republikaner aber werden sich dagegen stemmen und den Refrain wiederholen „Waffen töten nicht Menschen, Menschen töten Menschen“.

Lachende Dritte sind wie immer Vorstandsmitglieder der übermächtigen Waffenlobby NRA. Kaum eine andere Organisation in den Vereinigten Staaten verfügt über das Geld und die Macht, um Politiker buchstäblich zu kaufen und selbst vor dem Hintergrund Herz zereißender Tragödien sinnvolle Gesetze zu blockieren, welche die ausufernde Gewalt zumindest eindämmen könnten.

Anders als bei den meisten anderen Amokläufen mit zahlreichen Todesopfern ist diesmal aber die Rolle eines US-Präsidenten, unter dem Ausländerhass wieder salonfähig geworden ist. Kurz vor dem Massaker in El Paso hatte der Todesschütze nämlich einen Aufsatz ins Internet gestellt, in dem er seiner Ablehnung von Ausländern und insbesondere hispanischen Einwanderern freien Lauf ließ.

Kein Zufall dürfte es gewesen sein, dass er ausgerechnet in El Paso an der mexikanischen Grenze das Feuer eröffnete. Trump sprach zwar den Familien der Opfer sein Beileid aus. Von der Bereitschaft, die Folgen seiner Angriffe einzugestehen und einen sanfteren, humaneren Ton gegenüber Immigranten anzuschlagen, ist beim Präsidenten aber nichts zu hören oder zu erwarten.

⇥politik@lr-online.de