ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:46 Uhr

Kommentar
Vor dem Praxistest

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: LR / Redaktion
Diese leidige Erfahrung hat wohl schon jeder Kassenpatient gemacht: Bis man einen Termin beim Facharzt bekommt, vergeht manchmal eine halbe Ewigkeit. Es ist deshalb aller Ehren wert, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn diesem Problem nun per Gesetz zu Leibe rücken will.

Allerdings birgt sein jetzt vom Kabinett verabschiedeter Entwurf auch Risiken und Nebenwirkungen. Die Grundidee besteht darin, niedergelassene Mediziner mittels einer besseren Honorierung zur Behandlung von mehr Patienten zu bewegen. Das ist sicher nicht verwerflich. Denn Leistung soll sich schließlich auch lohnen. Wird zum Beispiel ein neuer Patient behandelt, winkt eine höhere Vergütung. Doch was für die einen gut ist – nicht selten bekommen neue Patienten noch viel schwieriger einen Termin – könnte für die anderen zum Bumerang werden. Den Nachteil haben womöglich angestammte Patienten, die auf Folgetermine angewiesen sind. Auch Patienten, die über eine Terminservicestelle vermittelt werden, sollen den Praxisärzten künftig mehr Geld bringen. Im Umkehrschluss könnte es weniger erfolgversprechend werden, direkt beim Facharzt um einen Termin zu bitten. Denn in einem solchen Behandlungsfall bleibt für den Mediziner finanziell alles beim Alten. Interessant wird also der Praxistest. Sollte sich Spahns Vorlage nicht bewähren, muss nachgesteuert werden.

⇥politik@lr-online.de