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| 19:50 Uhr

Kolumne Post aus Potsdam
Wenn im Netz Fetzen fliegen

Von Benjamin Lassiwe
Von Benjamin Lassiwe FOTO: LR
Manchmal, in alten Fernsehbildern, sieht man sie noch: Wüste Saalschlachten aus den Krisenzeiten der Demokratie. Gegenseitig griffen sich Parteimitglieder an. Versammlungen und Kundgebungen wurden gezielt gestört, aufgelöst oder arteten in wüste Schlägereien aus.

Heute geht so etwas meist friedlicher zu: Schlägereien auf Parteitagen gibt es, Gott sei Dank, nicht mehr.Im Internet allerdings fliegen die Fetzen dafür um so mehr. Manchmal sogar innerhalb von ein und derselben Partei – etwa in der SPD, deren neuerdings immer öfter auftretender Drang zur Selbstzerstörung auch in Brandenburg in dieser Woche sichtbar wurde. Zum Beispiel auf dem Facebookprofil von Generalsekretär Erik Stohn, der vor der undankbaren Aufgabe stand, am Montag eine Mitgliederversammlung zur Abstimmung über die Große Koalition organisieren zu müssen. Und die Brandenburger Jusos aufforderte, bei dieser Gelegenheit doch lieber selbst die Ablehnung der Großen Koalition zu begründen – statt dafür den Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert einzuladen. SPD-Bundesgeneralsekretär Lars Klingbeil dagegen sollte selber kommen. Was folgte, war abzusehen: Ein veritab­ler Shitstorm, Marke „Alle gegen einen“. Innerhalb kürzester Zeit hatten mehr als 160 Nutzer unter Stohns Posting kommentiert. Manche dieser Kommentare sind heute wieder gelöscht. Freundlich waren davon wohl die wenigsten.

Doch während die alten Saalschlachten im Fernsehen meist kein gutes Ende namen, zeigte sich Stohn in der virtuellen Welt durchaus lernfähig. Dem ehemaligen Jusovorsitzenden gelang es, die eigenen Anhänger zu befrieden. „Lars zehn  Minuten. Kevin zehn Minuten. 100 Minuten unsere Mitglieder“ postete er am Donnerstagabend die Lösung des Konflikts. Woraufhin die Likes und Dankeschöns unzähliger Genossen die Stimmung auf den Höhepunkt trieben.

Brandenburgs Sozialdemokratie hob mit ihrer rosaroten Wohlfühlwolke ab und flog hoch über den dunklen Kiefernwäldern mit dem roten Adler um die Wette. Zumindest bis zum Montag – dann steht die harte Landung an.