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Post aus Potsdam
Von Heimat reden

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: LR
Manchmal gibt es Begriffe, die im Laufe der Zeit mit Personen verwachsen. „Braunkohle“ ist so ein Begriff. Wer ihn in Brandenburg im politischen Raum hört, denkt sofort an die SPD. An den Bundestagsabgeordneten Ulrich Freese, an Ministerpräsident Dietmar Woidke, an das „Glück auf“ am Ende einer Rede. Ein anderes Beispiel: „Heimat“. Das ist auch so ein Begriff. In den letzten Jahren hatte ihn die Brandenburger CDU gepachtet. benjamin lassiwe

„Meine Heimat Brandenburg“ lautete der Slogan einer Kampagne ihrer Landtagsfraktion, mit dem „Heimat-Euro“ wollten sie Ortsteile und Dörfer unterstützen, immer wieder profilierte man sich als „Heimatpartei“. Zunächst wurde das in der SPD verspottet. Immer wieder konnte man hören, dass so eine Positionierung nahe an den Thesen der AfD sei, dass sich die Christdemokraten viel zu dicht am konservativen Rand bewegten.

Im Wahlkampf setzte der Ministerpräsident auf Strohballenfeste: Das hatte ländlichen Charme, klang irgendwie nach Achim Mentzel, vermied aber den Begriff. Gesprochen wurde lieber von der SPD als „Brandenburg-Partei“. Ein bisschen besitzergreifend, aber was soll eine Partei, die seit 25 Jahren die Staatskanzlei gepachtet hat, auch schon anderes machen.

Dann kam die Kreisgebietsreform. Die Reform, von der manche Menschen denken, dass sie die Heimat gar zerstören könnte, also zumindest die gefühlte Heimat, bestehend aus Kreisstädten und Verwaltungsämtern. Und nun die Kehrtwende.

In der kommenden Woche veranstaltet Ministerpräsident Dietmar Woidke eine „Heimattour“. Was eigentlich nichts Besonderes ist – die Einweihung eines Sportplatzes in Forst oder der Besuch eines Brandenburger Unternehmens gehören seit Manfred Stolpe zu den Dienstgeschäften eines Brandenburger Ministerpräsidenten. Und blickt man in die wöchentlichen Terminübersichten von Dietmar Woidke, stellt man fest, dass der in Potsdam nur wenig sichtbare Ministerpräsident diese Kunst schon fast bis zur Perfektion entwickelte. Nun also soll es am Mittwoch zur „Heimattour“ in die Prignitz gehen, anschließend in alle übrigen Brandenburger Kreise. Was dann wohl als Punktsieg für die Brandenburger CDU zu verbuchen ist – denn ein Begriff, der gut ist, setzt sich eben durch.