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| 21:30 Uhr

Kommentar
Vollrausch-Paragrafgehört auf Prüfstand

Kathleen Weser
Kathleen Weser FOTO: Steffen Rasche
Dass Recht im juristischen Sinne und Gerechtigkeit, also die moralische und ethische Beurteilung von Straftaten, zwei verschiedene Paar Schuhe sind, wird gerade mit Blick auf Gerichtsurteile nur zu oft deutlich.

Und das Grundvertrauen in einen starken Staat, der seine Bürger vor Unrecht beschützt und begangenes Unrecht hart verurteilt, hat weiter verloren mit dem Freitag in der Länderkammer abgebügelten Vorstoß, exzessiven Suff und Drogenrausch vor dem Kadi nicht weiter strafmildernd in die Waagschale zu werfen. Bei allem Verständnis für Suchtkranke: Sie konsumieren das Verderben freiwillig und haben Verantwortung wie jeder Nüchterne auch. Deshalb wäre es, trotz höchst richterlicher Rechtsprechung zur Auslegung des umstrittenen Vollrausch-Paragrafen, an der Zeit, die Schuldunfähigkeit von schweren Rausch-Tätern generell auf den Prüfstand zu bringen. Denn der Vollrausch ist offensichtlich vor den Gerichten zu einer guten Ausrede geworden. Doch es reicht nicht, das Besäufnis zu verurteilen, wenn Menschen zu Schaden kommen.

kathleen.weser@lr-online.de