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| 19:02 Uhr

Vertragslaufzeiten
Übers Ziel hinaus

 Michael Gabel
Michael Gabel FOTO: MOZ
Wohl jeder hat das schon einmal erlebt: Spätabends klingelt das Telefon, und der Anrufer oder die Anruferin will eine Kiste Wein, eine Reise oder was auch immer verkaufen. Das nervt.

Genauso ärgerlich ist es, wenn man seinen Handyvertrag kündigen will und es dann heißt: Er hat sich gerade erst automatisch um ein Jahr verlängert.

Sich zu wehren bringt nichts, denn in beiden Fällen sind Verbraucher weitgehend machtlos. Insofern ist es gut, dass Bundesjustizministerin Barley noch vor ihrem Weggang nach Brüssel ein Gesetz gegen Verbraucherbelästigung und -abzocke anpacken will. Allerdings sollte sie dabei nicht über das Ziel hinausschießen.

Zwar ist eine ganze Reihe von Maßnahmen, die sie plant, sinnvoll: So würden es Verbraucher sicherlich begrüßen, wenn Werbefirmen klarere Vorgaben gemacht würden, wen sie wann und wie oft anrufen dürfen. Auch dürfte sich wohl jeder Kunde einer Telefongesellschaft freuen, wenn sich ein ungekündigter Vertrag nur automatisch um drei Monate verlängert, statt wie bisher üblich, oft um ein Jahr. Und dass teure Verträge mit Energieanbietern der Schriftform bedürfen, sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Aber in einem Punkt geht die Ministerin mit ihrem Anti-Kostenfallen-Paket zu weit: Die Vertragslaufzeiten für Handys und Festnetztelefone von vornherein auf ein Jahr zu begrenzen, ist unnötig und sogar kontraproduktiv. Denn viele Kunden haben gar nichts dagegen, sich für zwei Jahre festzulegen, weil solche Angebote nämlich oft wesentlich lukrativer sind, als diejenigen mit kürzeren Laufzeiten. Das Einzige, was Verbraucher wirklich benötigen, ist Wahlfreiheit.

politik@lr-online.de