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| 01:27 Uhr

Versagen der politischen Elite

Da könnte Schadenfreude aufkommen, wäre die Sache nicht zu ernst. Denn der tiefe Sturz der britischen Labour-Partei kann weitreichende Folgen für die gesamte EU haben. Von Johann Legner

London braucht eine handlungsfähige Regierung, die sich um die Wirtschaftskrise kümmert. Stattdessen ist Premierminister Gordon Brown derzeit vor allem mit einer ganz anderen Art der Schadensbegrenzung beschäftigt. Bleibt der Premier im Amt, wird er auf absehbare Zeit nicht den Spielraum haben, den er angesichts der gravierenden Probleme benötigt. Der Wechselkurs des britischen Pfunds ist stark abgerutscht, und die Staatsverschuldung erreicht ein bedrohliches Ausmaß - da muss gehandelt werden. Setzt Brown bald Neuwahlen an, so ist er seine Regierungsmehrheit los. Ob danach allerdings das Land eine wesentlich besser aufgestellte Regierungsmannschaft bekommen würde, ist fraglich. Bei der derzeitigen Stimmung unter den Wählern haben trotz des britischen Mehrheitswahlrechtsradikale Außenseiter gute Chancen. Denn auch die konservative Opposition hängt tief drin in der von den Abgeordneten verursachten Spesenaffäre. Die Chancen für einen geordneten Machtübergang sind also ebenfalls eher gering. Die tiefe Krise, in dem sich das politische System Großbritanniens befindet, hat ihren Ursprung im Versagen der politischen Elite des Landes, die sich jetzt zu der Verantwortungslosigkeit gesellt, mit der die Börsenjongleure den Finanzplatz London ruiniert haben. Dort wurde offenkundig, dass es zwischen der Skrupellosigkeit der Manager und der Unverfrorenheit der Politiker keine allzu großen Unterschiede gibt. Dem zu begegnen, ist eine große, eine langwierige Anstrengung.