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| 18:59 Uhr

Kommentar
Jäher, tiefer Fall

Frank Herrmann
Frank Herrmann FOTO: LR / Redaktion
Ist es das nun? Der Meilenstein? Der alles erhellende Beweis in der endlosen Russlandaffäre? Er begleitet Donald Trump schon seit seinem Amtsantritt, der Verdacht, er könnte sich insgeheim mit dem Kreml abgesprochen haben, um der Rivalin Hillary Clinton zu schaden. Von Frank Herrmann

Seit gut 14 Monaten untersucht der Sonderermittler Robert Mueller, ob etwas dran ist an der Vermutung. Und zur nüchternen Bewertung gehört auch dies: Wirklich in Bedrängnis gebracht hat den US-Präsidenten noch nicht, was Mueller unter dem Teppich hervorkehrte. Das kann sich ändern, falls Paul Manafort in einem Gerichtssaal in Virginia aus dem Nähkästchen plaudert.

Manafort - die Personifizierung des jähen, des tiefen Falls. Als Wahlkampfmanager Trumps hatte der erfahrene Strippenzieher dafür zu sorgen, dass sich das Grummeln innerparteilicher Gegner nicht zu einer Revolte auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner auswuchs. Den Job erledigte er zur Zufriedenheit seines Auftraggebers, der ihn kurz darauf fallenließ wie eine heiße Kartoffel. Als publik wurde, welch üppige Honorare der Lobbyist vom Ukrainer Wiktor Janukowitsch kassierte, wurde er prompt geschasst. Trump erwartet Loyalität, doch er erwidert sie nicht. Das könnte ihm zum Verhängnis werden, falls sich Manafort rächt und sein bisheriges Schweigen bricht.

Bestätigt er die Erzählung des Trump-Anwalts Michael Cohen, wonach der damalige Präsidentschaftskandidat ein Treffen mit einer russischen Anwältin ausdrücklich billigte, um belastendes Material gegen Clinton zu sammeln, ist sie nicht mehr zu halten, die These vom ahnungslosen Chef, der nicht wusste, was übereifrige Gehilfen hinter seinem Rücken so alles trieben. Stützt Manafort Cohens Version, wäre Trump der Lüge überführt – im Kern dessen, worum es bei Muellers Ermittlungen geht.

politik@lr-online.de