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| 18:51 Uhr

Leitartikel zum Verhältnis USA – Syrien
Stabilitätspfosten mit grobem Griff herausgerissen

 Ellen Hasenkamp
Ellen Hasenkamp FOTO: MOZ
Mikado heißt das Spiel, bei dem man versucht, einen Holzstab aus einem Gewirr anderer Holzstäbe zu ziehen, ohne dass es woanders wackelt. Das kann mitunter gelingen, aber nur, wenn man erstens sehr behutsam vorgeht und zweitens der Stäbchenhaufen einigermaßen überschaubar ist.

Donald Trump hat nun in Syrien gezeigt, wie es garantiert nicht gelingt: In ein hochfragiles Gebilde hineinlangen, um einen der Stabilitätspfosten, nämlich die US-Armee, mit einem groben Griff rauszureißen.

Rechts und links splittern nun die Balken. Die eigene Armeeführung ist düpiert, die internationalen Partner, darunter auch Deutschland,  sind schockiert.

Und vor Ort breitet sich der Schaden immer weiter aus. Die Kurdenmilizen, die zu den wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die IS-Dschihadisten zählten, fühlen sich nicht nur im Stich gelassen, sondern geradezu der Türkei ausgeliefert. Ankara hat offenbar bereits mit den Vorbereitungen einer neuen Offensive gegen die Kurden begonnen.

In ihrer Not rufen die syrischen Kurden nun ausgerechnet Machthaber Baschar al-Assad zu Hilfe, den Mann, den Trump wiederum erst vor wenigen Monaten als „Tier“ oder auch als „Monster“ bezeichnete. Eine bemerkenswerte Entwicklung, über die sich Moskau hocherfreut zeigt.

Derweil ändern auch einige arabische Golfstaaten ihren Kurs und steuern nun Richtung Versöhnung mit Assad. Sie fürchten, ebenso wie Israel, dass ansonsten der Iran seinen Einfluss in Syrien ausweitet, sobald die US-Soldaten im Flugzeug zurück nach Hause sitzen.

Letzteres ist aber das Einzige, das den Mikado-Spieler Trump interessiert. Der Rest liegt in Trümmern. ⇥politik@lr-online.de