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| 18:31 Uhr

Leitartikel - Trump gegen den Rest der Welt
USA kündigen Atomabkommen mit Iran

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: LR / Redaktion
Meinung. Nach dem Pariser Klimaschutzabkommen hat der US-Präsident nun auch den Atomvertrag mit dem Iran in die Tonne getreten. So, wie es der Egomane einst im Wahlkampf versprochen hatte.  Das kommt bei seinen Anhängern gut an. Wer aber noch einigermaßen bei Verstand ist, muss sich Sorgen machen.

Trumps jüngste Entscheidung ist der Bruch Washingtons mit seinen europäischen Verbündeten. Emmanuel Macron und Angela Merkel gaben sich in Washington die Klinke in die Hand, um Trump umzustimmen. Der Franzose versuchte es mit Schmeicheleien, die Deutsche mit ihrem nüchternen Naturell. Aber Trump macht, was er will.Das Atomabkommen ist eine Vereinbarung zwischen dem Iran, den USA, China, Russland und der EU. Aber was sind solche Abkommen noch wert, wenn sie einseitig aufgekündigt werden können? Nordkoreas Diktator Kim dürfte das aufmerksam verfolgt haben – und im Zweifel sein Atompotenzial lieber behalten, als es einem wertlosen Stück Papier zu „opfern“.

Ein ähnliches Szenario ist nun auch im Iran denkbar. Das Abkommen war gewiss nicht perfekt, aber: Der Iran hat deshalb die Bombe nicht gebaut. Mehr Friedfertigkeit gegen weniger Wirtschaftssanktionen. Das war der Deal. Und der hat laut Experten  bislang funktioniert. Trump hat das nun in den Wind geschlagen und setzt womöglich eine atomare Rüstungsspirale im Nahen Osten in Gang. Aber wer um sich schießende Schüler in den USA durch eine Bewaffnung der Lehrer stoppen will, der tickt auch im globalen Rüstungsmaßstab so. Es ehrt die Europäer, dass sie am Abkommen mit dem Iran festhalten wollen. In der Praxis funktioniert das nur, wenn deutsche und andere EU-Firmen weiter Geschäfte mit dem Land machen können.

Aber Trump droht: Wer weiter Maschinen, Flugzeuge oder Autos in den Iran liefert, wird vom Zugang zum US-Markt ausgeschlossen. Dieses Risiko dürften Firmen und Banken kaum eingehen, zumal die Geschäftspotenziale in den USA deutlich größer sind als im wirtschaftlich schwachen Iran.

So bleibt am Ende dieser Woche nur ein riesiger politischer Scherbenhaufen. Dem Iran droht wieder die totale Isolation, was die fundamentalen Kräfte dort stärken wird. Und neben der atomaren Gefahr beschwört Trump auch gleich noch eine Verschärfung des schon schwelenden internationalen Handelskriegs herauf.

politik@lr-online.de