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Und es ist gut heute

Sie hatten Angst. Die Initiatoren der Erinnerungs-Ausstellung befürchteten, in einer Stadt, in der ihr Zug nur einen einzigen Tag lang hält, nicht genügend Besucher anzuziehen. Überall sonst in Deutschland waren die Waggons mehrere Tage lang zu besichtigen.

Dutzende von Schulklassen hatten sich angemeldet und so die Statistik ordentlich angefüttert.
In den großen Städten Hamburg und Berlin hatte das umstrittene Verhalten der Deutschen Bahn für zusätzliche Publicity gesorgt: Der Zug wurde buchstäblich auf Abstellgleise geschoben, die Ausstellungsmacher mit hohen Kostenforderungen belegt - und der moralische Druck auf alle halbwegs anständigen Hamburger und Berliner wuchs, durch Anwesenheit Zeichen zu setzen.
In Cottbus dagegen verhielten sich die Bahner hoch anständig, räumten dem Zug das prominente Gleis 1 frei - doch der enge Fahrplan ließ für die Lausitzmetropole nur einen einzigen Haltetag zu - den schulfreien Sonntag. Dass es sich die Region trotzdem nicht nehmen ließ, Flagge zu zeigen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. Denn jeder, der da stundenlang anstand, um sich der Vergangenheit und der Erinnerung zu stellen, ist ein Beweis für das, was gut ist, hier und heute.