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| 19:10 Uhr

Leitartikel
Geld nur gegen Rechtsstaatlichkeit

Werner Kolhoff
Werner Kolhoff FOTO: LR / Redaktion
Auf der Suche nach Zinsen, die höher sind als null, hat das internationale Kapital in der Türkei willige Abnehmer gefunden. Präsident Erdogan hat mit den Krediten einen Boom produziert, für den er immer wieder gewählt wurde. Von Werner Kolhoff

Jetzt platzt die Blase und mit ihr auch der Nimbus des neuen Sultans der Türken. Soll Europa ausgerechnet diesem Präsidenten helfen, wie Andrea Nahles vorgeschlagen hat? Ausgerechnet Erdogan, der nicht aufhört, den Westen zu beschimpfen und die Menschenrechte mit Füßen zu treten? Die Naivität der SPD-Chefin verwundert.

Wenn Hilfen, dann nur unter Bedingungen: Geld gegen Rechtsstaatlichkeit und seriöses Wirtschaften. In erster Linie ist mangels Zuständigkeit ohnehin nicht Europa gefragt, schon gar nicht Deutschland, sondern der  Internationale Währungsfonds. Er hat Erfahrungen mit solchen Hilfsprogrammen. Sicherheit für ausländisches Kapital, aber auch für ausländische Bürger, würde er verlangen. Außerdem die Bekämpfung der Korruption, damit nicht alles an den Fingern des Erdogan-Clans und seiner Vasallen kleben bleibt. Und schließlich: Ein Ende des Lebens auf Pump. Höhere Zinsen für Konsumentenkredite. Dass Erdogan darauf nicht eingehen will, ist verständlich. Nur sollte ihn niemand vorschnell aus seiner Kalamität befreien.

Angelockt von hohen Renditen haben auch einige europäische Banken, vor allem aus Spanien und Italien, in der Türkei Risiken versteckt. Und es gibt noch viel mehr Schwellenländer, die in einer ähnlichen Situation sind: Mit Krediten finanzierte Großprojekte, ein viel zu schneller Immobilienboom, ein Konsumniveau, dem kein nachhaltiger wirtschaftlicher Ertrag gegenübersteht.  Das alles ist eine weitere Folge der nun bald zehn Jahre andauernden Politik des billigen Geldes. Die Finanzkrise und das Thema Finanzmarktkontrolle könnten früher als erwartet wieder auf der internationalen Politikagenda stehen - nicht allein wegen der Türkei.

 politik@lr-online.de