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Meine Wirtschaftswoche
Weil es sich gehört

Oliver Haustein-Teßmer
Oliver Haustein-Teßmer FOTO: Sebastian Schubert / LR
Wenn Ihre vergangene Wirtschaftswoche eine echte Wirtschaftswoche gewesen ist, zum Beispiel des Osterurlaubs wegen, haben Sie sicherlich einen Teil Ihres Gelds in Cafés, Kneipen und Restaurants gelassen.

Da arbeiten andere Leute für Sie, decken den Tisch, kochen, servieren, räumen ab und auf – super. Was tun Sie dafür? Sie bezahlen, na klar. Und Sie müssten nicht mal Trinkgeld geben. Aber: Sie sollten. Warum? Weil Dienstleister in der Gastronomie, aber auch Taxifahrer, Friseure, Reinigungspersonal oder andere, die einem Urlaub und Alltag angenehmer machen (können), gemeinhin nicht zu den Topverdienern gehören. Zu alter Zeit waren Trinkgelder bei manchen Berufen der Hauptverdienst. Das ist natürlich heute nicht mehr so. Dennoch: Trinkgeld, das gehört sich einfach.

Oder nicht? Gesetzlich ist das zumindest in Deutschland geregelt: kein Muss. Immerhin geben die meisten Deutschen, das belegt eine Forsa-Studie von 2016, auf Auslandsreisen Trinkgeld. Und die Mehrheit informiert sich vor dem Reiseantritt über die örtlichen Gepflogenheiten.

Mit fünf bis zehn Prozent des Rechnungsbetrags in Restaurants oder bei Taxifahrten machen Sie in Deutschland und fast überall in Europa sicherlich nichts verkehrt. An diese Regel halten sich laut Forsa übrigens drei Viertel der deutschen Reisenden. In den USA sind höhere Beträge von 15 bis 20 Prozent üblich. In manchen Ländern, Japan beispielsweise, gilt Trinkgeld dagegen als unfein. Anderswo gibt‘s eine Servicegebühr. Wer‘s genauer wissen will, so hat es kürzlich der Reise-Sender Sonnenklar.TV empfohlen, sollte die jeweilige Tourismus-Infostelle seines Reiselandes fragen.

Abgesehen von peinlichen Centbeträgen als Trinkgeld – berühmter Fall: betrunkener Taxi-Gast gibt drei Cent, Fahrer wirft die Münzen aus dem Fenster, Gast will nicht aussteigen, Polizei muss eingreifen – gibt es eine besonders miese Masche. Trinkgeld-Klau! Passiert leider immer wieder, darüber berichtet die LR regelmäßig. Hier ist der moralische Schaden am größten.