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| 14:52 Uhr

Kommentar
Panmunjom ist nicht Erfurt

Werner Kolhoff
Werner Kolhoff FOTO: Redaktion / LR
Als sich mit Willy Brandt und Willi Stoph 1970 in Erfurt zum ersten Mal zwei deutsche Regierungschefs trafen, begann eine Phase der Entspannung, die 19 Jahre später zur Wiedervereinigung führte. Niemand sollte freilich denken, dass das Treffen von Panmunjom für die beiden Koreas schon Ähnliches bedeutet. Gegen Nordkorea war die DDR ein Freiheitsparadies. Die Bevölkerung ist seit fast 70 Jahren gehirngewaschen – und zwar im Vollprogramm. Die Repression ist brutal. Es wird keinen Wandel durch Annäherung geben, erst recht keinen Regimewechsel. Jedenfalls nicht friedlich. Von Werner Kolhoff

Man kann über die Motive Kims nur mutmaßen. Mag sein, dass er sich sicher fühlt, weil er seine Atomwaffen inzwischen hat. Mag auch sein, dass gerade sein Testgelände eingestürzt ist, weswegen er weitere Versuche sowieso hätte stoppen müssen. Am wahrscheinlichsten ist, dass China ihm Druck gemacht hat, weil Peking eine Eskalation mit Amerika vor seiner Haustür nicht brauchen kann.

 Die Annäherung auf der koreanischen Halbinsel wird jedenfalls über eine militärische Entspannung kaum hinausgehen. Wenn es gut läuft, folgen dem intensivere wirtschaftliche Kontakte und eine lange Phase friedlicher Koexistenz ohne echte Öffnung. Immerhin, die Gefahr eines heißen Krieges  könnte eingedämmt werden. Und auch die Gefahr, dass sich von Nordkorea ausgehend Atomwaffen verbreiten. Beides ist für die Welt äußerst bedeutsam, auch für Europa.

Deutschland und Europa können sich, so weit weg sie auch sind, bei dem beginnenden Prozess nützlich machen: Indem sie Donald Trump davon abhalten, das Atomabkommen mit dem Iran zu kündigen. Kim wird nämlich genau hinschauen, wie es dem anderen globalen Schurkenstaat mit Atom-
ambitionen ergangen ist. Wenn sich herausstellt, dass sich atomare Abrüstung nicht lohnt, wird er sofort umschalten.
politik@lr-online.de