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Teflon kontra Temperament

Angela Merkel und Martin Schulz haben sich ordentlich die Meinung gesagt. Wobei der Herausforderer temperamentvoller und emotionsgeladener wirkte als die Teflon-Kanzlerin. Stefan Vetter

Aber so wirkte vor vier Jahren auch Peer Steinbrück gegen Merkel. Und trotzdem wurden aus diesen Stimmungen am Ende nicht mehr Stimmen für die SPD.

Viel ist darüber geklagt worden, dass dieses "TV-Duell" seinen Namen gar nicht verdient, weil die Spielregeln dafür viel zu starr seien. Das stimmt, ist aber allenfalls die halbe Wahrheit. Merkel und Schulz stritten auch deshalb zum Teil mit angezogener Handbremse, weil man ja womöglich einander doch zum Weiterregieren braucht. Das Dilemma für Schulz bestand darin, die politische Bilanz der großen Koalition schlecht in Bausch und Bogen verdammen zu können, wenn die "Sozis" in den letzten vier Jahren doch so gut mitregiert haben. Fundamentale Unterschiede in den Auffassungen kristallisierten sich noch am ehesten bei der Türkei-Politik heraus. Schulz machte sich glasklar für den Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit Ankara stark, derweil Merkel hier im Ungefähren blieb. Ob solche Fragen wahlentscheidend sind, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Zweifellos hat sich Schulz wacker geschlagen. Er war offensiv, ohne zu verletzen. Aber neue Hoffnungen auf einen politischen Wechsel konnte er kaum wecken. Wie auch, wenn es keine Wechselstimmung gibt? Mindestens hätte er dafür dieses "TV-Duell" haushoch gewinnen müssen. Hat er aber nicht. Für Schulz waren die 95 Minuten zur besten Sendezeit aber schon deshalb ein Erfolg, weil er sich erstmals einem Millionenpublikum präsentieren konnte. Merkel kennen praktisch alle Leute, Schulz viele nicht. Viele haben am Sonntagabend gelernt: Auch der könnte Kanzler. Insbesondere noch unentschlossene Wähler fangen erst jetzt an, sich ernsthaft mit der Bundestagswahl in drei Wochen zu beschäftigen. Eine Orientierungshilfe war das sogenannte Duell deshalb allemal.