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System- und Denkfehler

Mit viel Vorschusslorbeer war der Gutschein für die private Arbeitsvermittlung bedacht worden. Von einer „Revolution in der Jobvermittlung“ hatte der damalige Arbeitsminister Walter Riester gesprochen.

Heute steht fest: Der Gutschein hat sich als wahlkampftaktisches Blendwerk entpuppt. Die Erfolgsquote der privaten Vermittler liegt in der Region bei nur rund zehn Prozent.
Natürlich ist das besser als nichts. Sicherlich hat die neue private Konkurrenz auch die Effizienz und Kundenfreundlichkeit bei den Arbeitsämtern erhöht. Das hätte aber auch ohne die von allen Beitragszahlern teuer bezahlte zusätzliche private Vermittlung möglich sein müssen.
Die Privaten jetzt für den Misserfolg der Gutscheine zu geißeln, wäre verfehlt. Der Fehler steckt im System. Es ist absurd, dass die Arbeitsämter bei ihrer Kundschaft für ihre Vermittlungskonkurrenz die Werbetrommel rühren sollen. Denn wären die Privaten erfolgreicher als sie, stünden die Arbeitsamtvermittler selbst zur Disposition.
Andererseits löst der Gutschein das Problem nicht. Er reduziert den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit vielmehr auf die Vermittlung.
Wie sich der Kuchen zwischen Arbeitsamt und Privaten aufteilt, spielt für die Arbeitslosen in der Region aber gar keine Rolle. Ihnen geht es nur um eine Stelle. Und davon gibt es in der Region einfach zu wenig. Erforderlich wäre deshalb keine „Revolution in der Job-Vermittlung“ . Eine „Revolution in der Job-Ansiedlung“ wäre sinnvoller gewesen.