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| 01:28 Uhr

Summa cum klaute

Kommentar. Nirgendwo gibt es, gemessen am Bevölkerungsdurchschnitt, so viele Doktoren wie unter den Volksvertretern. Fast 25 Prozent der FDP-Bundestagsabgeordneten haben diesen Titel und 22 Prozent der Unions-Parlamentarier. Von Werner Kolhoff

SPD, Linke und Grüne kommen jeweils auch noch auf rund 15 Prozent.

Wenn man diese Zahlen nun analysiert, streng wissenschaftlich natürlich, dann zeigt sich eine statistisch signifikante Korrelation (Verbindung) zwischen der Häufigkeit des Vorkommens von Doktortiteln in einer Fraktion und der Häufigkeit von Plagiatsaffären. Die FDP (Koch-Mehrin, Chatzimarkakis, Mathiopoulos) liegt klar auf Platz Eins, vor der Union (Guttenberg, Saß).

Aber wie funktioniert der Zusammenhang zwischen Doktor, Politkarriere und Skandal? Die Antwort liegt nahe: Viele Doktoren - viel Mogelei. Echte wissenschaftliche Tätigkeit raubt bekanntlich in den entscheidenden jungen Jahren jene Zeit, die man in Gremien absitzen müsste, um nach oben zu kommen. Also muss es wohl unechte wissenschaftliche Tätigkeit sein - der dahingeschluderte, wohlwollend erteilte oder eben ergaunerte Doktor als Turbofaktor für den Listenplatz.

Natürlich längst nicht immer. Aber immer öfter. Summa cum klaute. Es wäre für das Ansehen der Parlamentarier gut, wenn die Parteien die aktuellen Skandale zum Anlass nehmen würden, um mit dieser Art von "Titelhuberei" mal Schluss zu machen.