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Kommentar Die SPD und die Erneuerung
Asche aufs Haupt

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: k r o h n f o t o . d e
Von Stefan Vetter

Der glücklose Kanzlerkandidat hat sich Asche aufs Haupt gestreut. Vielen Bürgern sei nicht klar gewesen, wofür die SPD bei aller thematischen Sprunghaftigkeit noch stehe, heißt es in einem von Martin Schulz formulierten Leitantrag für den Bundesparteitag im Dezember. Darin findet sich auch das schöne Bekenntnis, bei Personalentscheidungen fortan brav die Mitglieder zu befragen. Wer das Parteivolk derart umschmeichelt, der hat natürlich auch seine Wiederwahl als Vorsitzender im Blick. Die dürfte Schulz im Dezember auch gewiss sein. Trotzdem bleibt er ein schwacher Vorsitzender. Einer, der zwar noch für die Beseitigung der größten Trümmer gebraucht wird. Aber danach? Mit Fraktionschefin Andrea Nahles und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz drängen sich bereits zwei Partei-Promis für höhere Weihen auf. Das gilt auch für Manuela Schwesig, die das Berliner Pflaster einstweilen mit der Landespolitik in Mecklenburg-Vorpommern tauschen musste. Sie alle werden sorgsam verfolgen, wie Schulz die viel beschworene Erneuerung der Partei ins Werk setzt. Und sie werden zu Stelle sein, sollte Schulz sich dabei verheben. Bis dahin warten sie ab. Nur im Falle vorgezogener Neuwahlen käme diese „Schachtordnung“ wohl ziemlich durcheinander.