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| 01:00 Uhr

SPD-Minister offen für große Koalition

Die SPD lässt wachsende Sympathie für eine große Koalition nach der Bundestagswahl erkennen. Finanzminister Hans Eichel und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement zeigten sich am Wochenende – auch angesichts eines möglichen Patts zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün – offen für ein Bündnis mit der Union. Von Hagen Strauß

Mit der Linkspartei„ Nein, danke, heißt es aus der SPD - von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit abgesehen, der in der Hauptstadt mit der PDS koaliert und zum Ärger seines Kanzlers eine solche Option auch im Bund nicht ausschließen will. Wowereit hat anscheinend nach der Zeit Schröders noch viel vor, wird spekuliert. Wie dem auch sei, hält die Partei um Oskar Lafontaine und Gregor Gysi in etwa ihre Umfragezahlen, und schmilzt das schwarz-gelbe Lager in den kommenden Wochen weiter zusammen, gibt es eine große Koalition. Das ist reine Mathematik. Und genau deshalb ist in Berlin das kategorische Nein zu dieser Elefantenhochzeit immer seltener zu hören.
Mit Ausnahme derer, die Kanzler bleiben und Kanzlerin werden wollen. Gerhard Schröder stünde als Juniorpartner für die schwarz-rote Konstellation keinesfalls zur Verfügung. Auch Angela Merkel muss eine große Koalition zum jetzigen Zeitpunkt ablehnen.

Probleme mit den Landesfürsten
Sie weiß: Die Westerwelles und Gerhardts wären weitaus berechenbarer und reformfähiger als eine stets auf die Linkspartei schielende SPD, die auch noch interne Kämpfe der verschiedenen Flügel führen und aushalten müsste. Außerdem hätte Angela Merkel ein weiteres Problem: Die wichtigsten Landesfürsten wie der Bayer Edmund Stoiber oder der Hesse Roland Koch ließen sich erst recht nicht ins Kabinett holen oder zumindest beim Regieren einbinden. Für Merkel brächen also weitaus schwierigere Zeiten an als mit der kleinen FDP, die maximal drei Ministerposten beanspruchen könnte.
Nun stolperte aber auch die CDU-Vorsitzende schon einmal in die ungeliebte große Koalition - vor einem Monat, als der Kanzler im Parlament die Vertrauensfrage gestellt hatte: "Rot-Grün kann unser Land nicht mehr regieren", rief die Kandidatin damals, "CDU/CSU gemeinsam mit der SPD". Das Gelächter im rot-grünen Lager war groß. Doch hört man heute führende Sozialdemokraten, könnte Merkels Ver sprecher fast schon prophetisch sein. Für Wirtschaftsminister Clement und Finanzminister Eichel ist die große Koalition nämlich inzwischen "kein Sündenfall" mehr. Und der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück drängt seine Partei dazu, lieber in die Regierung als in die Opposition zu gehen.

Spekulationen um Steinbrück
Wer könnte aber in einem solchen Not-Kabinett aus CDU/CSU und SPD Minister werden“ Einige Namen werden in Berliner Kreisen und Hinterzimmern schon gehandelt - mit Blick auf die Union ist unter Kanzlerin Merkel immer wieder von Volker Kauder (Kanzleramtsminister), Annette Schavan (Bildung), Michael Glos (Verteidigung) sowie Peter Müller (Gesundheit/Soziales) die Rede. Bei den Genossen ist es hingegen um das Personal weitaus dünner bestellt, wie auch Steinbrück zugibt: Die SPD habe "in der Generation der 40- bis 55-Jährigen ein Loch". Ausgerechnet um den Mann aus NRW ranken sich allerdings die meisten Überlegungen: Für Wirtschaft und/oder Finanzen wird Steinbrück in einer großen Koalition gehandelt, selbst als Vizekanzler ist er im Gespräch. Und wer weiter nachsinnt, lässt neben Peter Struck (Verteidigung) auch gerne den Namen Günter Verheugen fallen - der deutsche EU-Kommissar als Außenminister?