ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

Solana-Visite im Kongo-Hauptquartier

Englisch ersetzt das babylonische Sprachengewirr, das hier herrschen müsste. Offiziere aus 20 europäischen Nationen sitzen in ihren Landes-Uniformen in einem 200 Quadratmeter großen, fensterlosen Raum nebeneinander. Vor ihnen stehen Computer und Telefone mit roten und grünen Tasten. An der Wand hängen Karten von Kinshasa, drei Großbildschirme flimmern. Aus einem schmucklosen Waschbetonbau in der Henning-von-Tres ckow-Kaserne bei Potsdam wird bald der Kongo-Einsatz gesteuert. Gleich hinter den Gärten von Sanssouci. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana zeigte sich gestern beim Besuch „sehr beeindruckt“. Von Werner Kolhoff

Das "Operation Headquarters" (OHQ) mit seinen 140 Mitarbeitern wird von dem deutschen General Karlheinz Viereck geleitet. Es ist voll einsatzbereit. Ab dem 12. Juni soll das Gros der insgesamt 2000 europäischen Soldaten Richtung Afrika in Marsch gesetzt werden, darunter 780 von der Bundeswehr. Ein Vorkommando ist schon dort. 1100 Soldaten werden im benachbarten Gabun darauf warten, im Krisenfall einzugreifen. Aber 650 EU-Soldaten werden direkt im Zentrum Kinshasas am Stadtflughafen N`Dolo stationiert. Ihr Auftrag: Präsenz zeigen. "Visibility", sagen die Generäle in Potsdam.

Vom doppelten Erfolg überzeugt
Die politischen Kontrahenten in der Hauptstadt sollen sehen, dass die EU da ist und dass sie ordnungsgemäße Präsidentschaftswahlen will. Die Wahl, sagte Solana, sei der Abschluss eines langen Prozesses der Stabilisierung des Landes. Er sei sicher, dass die Mission ein Erfolg werde, für die Kongolesen, die sich nach Frieden sehnten, aber auch für die EU. Für die Union ist die Mission Kongo ein Experiment. Zum ersten Mal stellt die Gemeinschaft von Beginn an eine multinationale Truppe auf und agiert unabhängig von der Nato oder den USA. Das war mit Hakeleien verbunden, vor allem als es darum ging, welches Land mit wie viel Soldaten dabei sein sollte. Solana hielt das Ergebnis gestern aber für gelungen. Entscheidend sei, was am Ende herauskomme, meinte er. Verteidigungsstaatssekretär Friedbert Pflüger erklärte, Deutschland stelle sich der europäischen Verantwortung in gebührender Weise. Es entsen det ein Drittel der Truppen, Frankreich ein weiteres.
Viereck sagte, gegenwärtig sei die Lage ruhig. Aber es gebe "gewisse Risiken". Die Operationsleitung glaubt, alles Denkbare vorbereitet zu haben. Kommunikation sei das Wichtigste, heißt es in Potsdam. So soll in Kinshasa gleich zu Beginn ein Begegnungszentrum eingerichtet werden, in dem die EU-Truppe sowohl den kongolesischen Medien, als auch der Regierung, der Stadtverwaltung und den lokalen Gruppen beständig darlegen will, was ihre Ziele sind. "Wir müssen so transparent wie möglich sein, um Missverständnissen vorzubeugen", betonte ein General aus dem Hauptquartier.

Hubschrauber sollen Eindruck machen
Aber man will auch unmissverständlich sein. Das Mandat ist robust, es darf geschossen werden. Die drei deutschen Hubschrauber sollen oft in der Luft sein. "Das wird schon Eindruck machen", ist sich ein EU-General sicher. Die Truppen sollen mit leichten gepanzerten Fahrzeugen durch die Stadt fahren und vor allem den Weg zum Internationalen Flughafen N`Dili freihalten. Auf dem Stadtplan, der an der Wand des Hauptquartiers hängt, sind wichtige Punkte eingetragen: Militärlager, Polizeikasernen, Präsidentenpalast. Noch weiß niemand, ob die verfeindeten Lager in Kinshasa das Wahlergebnis akzeptieren werden, ob es nicht einen Putsch gibt oder gewalttätige Demonstrationen.