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Sieg der Unterlegenen

Der Wahlsieg von Evo Morales wird vielen Politikern im US-Außenamt und zahlreichen Managern in den Zentralen der europäischen und lateinamerikanischen Energiemultis eine schlaflose Nacht beschert haben.

Denn Morales hat immer deutlich gemacht, dass internationale Firmen unter seiner Präsidentschaft nicht länger die hohen Gewinne außer Landes tragen können. Er will die Rohstoffreserven nationalisieren. Dafür ist er gewählt worden. Er will zudem - auch zum Ärger der USA - den Anbau der Koka-Pflanze legalisieren, die in Bolivien eine lange Tradition als Heil- und Nutzpflanze hat. Dafür ist er gewählt worden. Und Morales ist vor allem dafür gewählt worden, dass er den Indios eine Stimme gegeben hat, die seit der spanischen Eroberung von der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ausgeschlossen sind, aber zugleich den Großteil der Bevölkerung bilden. Er wird der erste Präsident des Andenstaates sein, der nicht aus der herrschenden Schicht der Weißen oder Mestizen stammt.
Letztlich hat sich mit dem Sieg des Linkskandidaten auch die politische Landkarte Lateinamerikas verändert. Argentinien, Brasilien, Venezuela, Uruguay und jetzt Bolivien - in all diesen Ländern sind Regierungen an der Macht, die weniger Wirtschaftsliberalismus und mehr Sozialstaat wollen, die dem offenen Handel reserviert gegenüberstehen und sich mehr auf die eigenen, lateinamerikanischen Stärken besinnen wollen. Kurzum: Die den USA und deren Politik im "Hinterhof" die Grenzen aufzeigen.