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| 14:22 Uhr

Kommentar AfD-Abgeordnete in Syrien
Sie sind beileibe keine Friedensengel

Hagen Strauß
Hagen Strauß FOTO: krohnfoto.de
Nicht als Friedensengel oder Vermittler sind die AfD-Abgeordneten in Syrien unterwegs. Das wäre jetzt notwendig. Aber das passt nicht zu ihnen, dafür sind sie auch viel zu unbedeutend. Hilfspakete für die geschundenen Menschen dort haben die Parlamentarier auch nicht dabei. Was soll also die Reise mitten hinein in den derzeit größten globalen Konflikt? Wobei „mitten hinein“ nicht ganz korrekt ist, sie gehen nur dorthin, wo auch das Regime die Kontrolle hat.

Dem Diktator Assad, an dessen Händen Blut klebt, kommt jede politische Aufwertung im eigenen Land nur recht. Zu nichts anderem führt der Trip der AfD-Leute, die sich auch nicht davor scheuen, einem Großmufti die Hand zu schütteln, der vor wenigen Jahren noch zu Selbstmordanschlägen in Europa aufgerufen hat. Ein solches Paktieren ist abstoßend. Freilich sind die AfDler nicht die ersten, die solche Spielchen (mit)spielen: Beispielsweise traf sich der Linke Gregor Gysi während des Jugoslawien-Krieges 1999 in Belgrad mit Präsident Slobodan Milosevic, der verantwortlich gewesen ist für Vertreibung, Leid und Elend von Millionen seiner Landsleute. So wie Assad heute.

Das anhaltende Sterben in Syrien interessiert die AfD nicht. Sie will nur erreichen, dass das Land wieder als sicher eingestuft wird und die Flüchtlinge zurück müssen. Das ist die Linie, die sie schon im Bundestag vertreten hat. Ende November forderte sie, mit Assad ein Abkommen „zur Förderung der Rückkehr“ von Flüchtlingen zu schließen. Also mit einem international weitgehend geächteten Machthaber, der nicht nur seine Gegner, sondern wehrlose Kinder mit Giftgas erstickt, der Zehntausende vertrieben hat und weiter Bomben auf Zivilisten werfen lässt. Die Reise steht somit auch für eine Grundhaltung der Partei in der Syrienfrage – für die Ignoranz von schlimmen Realitäten.