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| 01:29 Uhr

Selbst schuld

Die eine Sache ist die Feststellung, dass Angela Merkel einen echten Wahlkampf verweigert. Dieser Vorwurf der SPD-Spitze trifft zu. Von Werner Kolhoff

Die andere Sache aber ist die Frage, warum Merkel eine solche Strategie so einfach möglich ist. Daran hat die SPD selbst mitgewirkt. Hand in Hand bei den Rettungsversuchen von Opel und beim Banken-Rettungsschirm, beim Kurzarbeitergeld und beim Konjunkturpaket, so haben die Deutschen die Koalitionäre Merkel, Steinmeier und Steinbrück erlebt und genossen.Warum sollte sich irgendein Bürger wünschen, dass stattdessen nun plötzlich Polemik und Zuspitzung Einzug halten? Niemand sieht die Notwendigkeit dazu ein. Man sähe sie vielleicht ein, wenn nicht die SPD - zweiter Grund, der bei ihr selbst liegt - es zugelassen hätte, dass in der Großen Koalition zentrale gesellschaftliche Debatten nicht mehr geführt wurden. Seit Jahren driftet Deutschland sozial auseinander. Die Einkommen und Vermögen sind immer ungleicher verteilt, damit korrespondierend auch die Bildungschancen. Aber die SPD hat das nur zaghaft kommentiert, einmal weil sie für diese Entwicklung selbst zum Teil mitverantwortlich ist, und zum anderen, weil eine Korrektur wohl nur im Bündnis mit der Linkspartei zu haben wäre, das sie das strikt ablehnt. Und hier kommt der dritte Grund zum Tragen, warum die Sozialdemokraten Merkel nicht so recht aus der Reserve locken können: Jede Polarisierung wirkt künstlich, wenn dahinter doch wieder die Perspektive einer Großen Koalition steht oder einer Ampel-Regierung mit der verhassten FDP. Das lohnt die Aufregung nicht.