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Schutzzaun für Apotheker

FOTO: k r o h n f o t o . d e
Kommentar. Wer geglaubt hat, seine verschreibungspflichtigen Arzneien demnächst billiger per Versand zu beziehen als in der heimischen Apotheke, könnte bitter enttäuscht werden. Gesundheitsminister Hermann Gröhe ist jedenfalls wild entschlossen, entsprechenden Online-Bestellungen einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben. Stefan Vetter

Offenbar geht es ihm mehr um das Wohl der Apotheker als um das der Patienten.

Zweifellos kämpfen nicht wenige Pharmazeuten ums geschäftliche Überleben. Insbesondere in strukturschwachen Regionen müssen kleine Apotheken die Konkurrenz aus dem Netz fürchten, für die der Europäische Gerichtshof kürzlich grünes Licht gegeben hatte. Allerdings machen dort auch Arztpraxen dicht, was den ortsansässigen Apotheken die Bilanzzahlen vermiest und sie gleich mit in Bedrängnis bringt. Insofern sind Internet-Apotheken eben auch eine gute Alternative.

Das Argument der vermeintlich unerlässlichen Vor-Ort-Beratung zieht ebenfalls wenig. Denn ein verschreibungspflichtiges Medikament heißt deshalb so, weil es der Arzt verordnet hat. Anders als bei frei erhältlichen Präparaten sollte der Patient deshalb im Bilde sein, was er da genau einnimmt und weswegen. Und wenn ein Mittel dauerhaft benötigt wird, braucht es ohnehin keine immer wiederkehrende Information - der Patient weiß, woran er ist.

Zweifellos wittern die Krankenkassen durch den Online-Versandhandel ein gewisses Einsparpotenzial. Aber die Patienten hätten davon eben auch ihren finanziellen Vorteil. In Zeiten rasanter wirtschaftlicher Veränderungen wäre es sicher ein Anachronismus, ausgerechnet um die Apotheken politisch einen Schutzzaun zu ziehen. Man darf gespannt sein, ob die SPD das dem CDU-Gesundheitsminister durchgehen lässt.

politik@lr-online.de