ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:35 Uhr

Sachsen und Thüringen top

Köln. Seit sechs Jahren erstellt das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) jährlich einen Bildungsmonitor für Deutschland, eine Hitliste der Qualität des Bildungswesens in den einzelnen Bundesländern. Die jetzt für 2010 vorgelegte Studie zeigt im Langzeitvergleich erstaunliche Entwicklungen. Von Werner Kolhoff

In welchem Bundesland ist das Bildungswesen am besten?
Sachsen führt wie im Vorjahr das Ranking mit 80,8 von 100 möglichen Punkten deutlich an, wieder gefolgt von Thüringen (76,6). Beide Länder sind besonders gut bei der Förderung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer (MINT). Auch Baden-Württemberg (Platz 3) und Bayern (4), die 2004 noch Spitze waren, erreichen jeweils mehr als 70 Punkte. Baden-Württemberg ist beim Grad der Akademisierung und beim Angebot der beruflichen Bildung besonders stark, Bayern wegen seiner hohen Investitionen und wegen der guten Lernerfolge. Schwächen haben beide Südländer bei Kleinkinder- und Ganztagsbetreuung.

Auf diese Spitzengruppe folgt ein breites Mittelfeld im 60-Punkte-Bereich, darunter Rheinland-Pfalz (Platz 8/66,8 Punkte), Saarland (9/66,7), Hessen (10/66,0), Brandenburg (13/63,5) und Nordrhein-Westfalen (14/63,3).

Negativ hebt sich nur Berlin mit 59 Punkten als Schlusslicht ab. Die großen Probleme der Hauptstadt liegen in der Zahl der Schulabbrecher und im Mangel an betrieblichen Ausbildungsplätzen.

Wie ist die Entwicklung im Langzeitvergleich?
Seit 2004 gibt es erhebliche Verschiebungen. So liegt das damalige Schlusslicht Sachsen-Anhalt heute auf Platz 7, der ehemalige Vorletzte, Bremen, sogar auf Platz 5. Beide Länder haben also einen enormen Sprung nach vorn gemacht, während Hamburg (von Platz 4 auf Platz 11) und Schleswig-Holstein (von Platz 6 auf Platz 12) am stärksten abgerutscht sind. Allerdings: Alle Länder haben seit 2004 stark zugelegt, und zwar laut den Autoren der Studie in allen Bereichen, ob beim Schulerfolg, bei den Bildungsausgaben oder bei der Akademisierung.

Die Botschaft der Pisa-Studien ist also angekommen und hat überall zu erheblichen Anstrengungen geführt. Die Durchschnittspunktzahl ist seit 2004 um 19,0 gestiegen. So hat Schlusslicht Berlin heute mehr Punkte als 2004 das erstplatzierte Bayern, das damals auf 57,5 Punkte kam. Nur bei der Integration von Migrantenkindern ist bundesweit kaum Fortschritt zu registrieren.

Wie wird die Rangliste berechnet?
Basis sind 111 Indikatoren, von den Klassengrößen bis zu den Abbrecherquoten, vom Kita-Angebot bis zur Abiturientenzahl. Für jeden Indikator gibt es Punkte von 0 bis 100, sodass sich für jedes Land am Ende eine Durchschnittspunktzahl ergibt. Die Studie hinkt der Entwicklung allerdings immer etwas hinterher, weil die verfügbaren Daten zwei Jahre alt sind. Der Bildungsmonitor 2010 zeigt also in Wirklichkeit das Bild des Jahres 2008.

Welche Empfehlungen gibt die Studie der Politik?
Dass sie die Bildungsausgaben auf dem jetzigen Niveau halten soll. Pro Schüler und Jahr werden derzeit im Durchschnitt 5400Euro ausgegeben; im Jahr 2000 waren es noch 4600. Weitere Zuwächse von bis zu 40 Prozent bei den Pro-Kopf-Ausgaben sind drin, weil wegen des Geburtenrückgangs die Zahl der Schüler sinkt. Wenn die Etats überall bleiben, wie sie derzeit sind, könnten 2020 acht Milliarden Euro mehr auf die vorhandenen Schüler verteilt werden.

Eine Steigerung der Bildungsausgaben ist nach Meinung des IW also gar nicht nötig, wohl aber ihr Einfrieren. Vordringliche Aufgaben sind Hilfen für Migrantenkinder und der Ausbau der frühkindlichen Betreuung sowie die Aus- und Weiterbildung von Erziehern und Lehrkräften. Allerdings haben die Finanzminister der Länder schon begehrliche Augen auf diese “Demografie-Dividende„ geworfen und wollen sie für die Haushaltssanierung einstreichen.