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Kommentar Trump zettelt Handelsstreit an
Rücksichtslos, aber folgerichtig

FOTO: Lichtgut/Leif Piechowski
Was will man erwarten von einem Mann, der die Mentalität eines Immobilien-Hais aus Manhattan mit ins Weiße Haus genommen hat? Donald Trump teilt einfach nicht die Auffassung der meisten Europäer, dass der freie Handel am Ende allen nützt. Es ist ihm herzlich egal, wie es anderen Nationen geht. Er hat nur seine eigene Wirtschaft im Blick und erhofft sich kurzfristig Erfolge.

Man hätte gewarnt sein müssen, als er in einer seiner ersten Amtshandlungen gleich das Transpazifische Handelsabkommen TPP für die USA vor die Wand fuhr. Es waren auch keine leeren Drohungen, als er neulich in Davos gegen angeblich unfaire Handelspraktiken polterte. Spätestens jetzt, da Donald Trump der ganzen Welt den Handelskrieg erklärt, ist es an der Zeit, zu begreifen: So lange er im Amt ist, wird er nicht davor zurückschrecken, weiter Handelsschranken aufzubauen, Strafzölle zu verhängen und den US-Markt gegen Konkurrenz aus aller Welt abzuschotten. Der America-first-Politiker Trump betreibt rücksichtslosen Nationalismus in Reinkultur. Langjährige Handelsbeziehungen zu Nachbarn, die transatlantische Freundschaft, alles das zählt für ihn nicht. Um des wirtschaftlichen Vorteils willen ist er bereit, alles aufs Spiel zu setzen.

Wenn er ein wenig Verstand hätte, sich die Wirtschaftsgeschichte anschauen würde, wüsste er: Letztlich schadet er der eigenen Industrie mit den protektionistischen Maßnahmen. Die US-Unternehmen werden langfristig an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wenn er ihnen jetzt die lästige Konkurrenz aus dem Ausland vom Leibe hält.

Europa muss sich jetzt wehren. Brüssel wird in den nächsten Tagen seinerseits Strafzölle gegen US-Importe verhängen. Apple-Computer, Smartphones und Harley Davidson-Motorräder könnten betroffen sein. Man sollte aber nicht die Illusion haben, dass Trump sich davon beeindrucken lässt. So unberechenbar Trump ist, eine Konstante ist sein Hang zu Protektionismus.

Die einzig richtige Strategie für die Europäer ist nun, die eigene Freihandelsagenda zielgerichtet weiter auszubauen. Die EU sollte aufs Tempo drücken und die schon recht weit gediehenen Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit Mercosur und Handelspartnern in Asien voran treiben. Die zweite große Gefahr besteht nämlich nun darin, dass weltweit das Klima für den Handel frostiger wird. Trump zielt genau darauf hin. Er möchte Kettenreaktionen provozieren, andere Länder dazu bringen, ihrerseits Schutzzölle zu ergreifen.

Unwahrscheinlich ist dies nicht: So werden Stahlproduzenten aus Brasilien und Kanada demnächst zunehmend den Weg auf den europäischen Markt suchen, wenn Trump die USA für ausländischen Stahl abschottet. Um Schaden für die eigene Stahlindustrie abzuwenden, könnten die Europäer dann ihrerseits verleitet sein, Handelsschranken zu erlassen. Damit würde sich die EU gleich an mehreren Fronten einen Handelskrieg einfangen. So ein Szenario sollte unbedingt vermieden werden.