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Ruckelfrei – aber nicht berauschend

Heute startet Deutschland in die Handball-WM – und wir sehen das Spiel gegen Ungarn live nur im Internet. Ich habe mir das Angebot der DKB-Bank gestern angeschaut: Slowenien gegen Angola, mit englischem Kommentar – kein besonders großes Vergnügen. Jan Lehmann

Die Bilder sind zwar in Ordnung, der Livestream läuft auch ruckelfrei - aber die Atmosphäre geht verloren. So wird aus dem Familienereignis, das bei der EM 2016 bis zu 13 Millionen Deutsche vor dem TV regelrecht berauscht hatte, nun gefühlt eine Angelegenheit für alleinstehende Informatiker. Dieses TV-Debakel sollte eine Warnung sein: Da können Verbände und Politiker hierzulande noch so lange darüber debattieren, welche Sportereignisse denn in unserem Rundfunkstaatsvertrag geschützt werden sollten - das interessiert in der Sportwelt sowieso niemanden. Stattdessen muss auf internationaler Bühne dafür gekämpft werden, dass die großen Weltverbände ihre Übertragungsrechte nicht ohne Sinn und Verstand an die Meistbietenden - wie in diesem Fall an den kompromisslosen Vermarkter "beIn" aus dem Katar - verscherbeln. Sonst blüht uns Derartiges bald auch an anderer Stelle. Oder zweifelt jemand ernsthaft daran, dass nicht auch Gigantomane Infantino und seine Fifa-Clique ab einer gewissen Summe Petro-Dollars schwach werden?

jan.lehmann@lr-online.de