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Respekt, Herr Hoeneß!

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: LR
Uli Hoeneß hat mehr Gespür bewiesen als seine Anwälte. Der Bayern-Boss lässt es nicht mehr auf eine Revision ankommen. Stefan Vetter

Respekt, Herr Hoeneß! Der Mann macht endgültig Schluss mit der Taktiererei und gibt damit auch anderen ertappten Steuerkriminellen ein Beispiel.

Hätte sich Hoeneß freilich stets an seine Maxime gehalten, wäre ihm der persönliche Absturz erspart geblieben, wäre es gar nicht erst zu dem spektakulären Gerichtsprozess gekommen, der die Nation eine Woche lang in Atem hielt. Nun zeigt er wenigstens in der Stunde seiner bittersten Niederlage persönliche Größe. Das verdient Anerkennung. Vielleicht war es auch schlicht die Einsicht, dass ihm eine Neuverhandlung seines Falls kaum zum Nutzen gereicht hätte. Die Aussicht auf ein milderes Urteil ist denkbar gering, die Gefahr, auch noch letzte Sympathien zu verspielen, ungleich größer. Vielleicht will Hoeneß den Knast auch nur schnell hinter sich bringen. Er wird ja nicht jünger, und was weg ist, brummt nicht mehr. Bis zu einer Revisionsverhandlung in Karlsruhe hätte gut ein Jahr vergehen können. Hoeneß wird also schon bald gesiebte Luft atmen.

Doch gemach. Bei ordentlicher Führung bekommt er womöglich schon nach einem halben Jahr Freigang. Und wenn es ganz gut läuft, ist Hoeneß schon nach der Hälfte der Haftzeit, also nach 21 Monaten wieder draußen. Er hätte dann nur eine einzige Meisterschaft seines FC Bayern verpasst.

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