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| 18:41 Uhr

Leitartikel
Rechtsfreier Raumist nicht tolerierbar

 Michael Gabel
Michael Gabel FOTO: MOZ
Das ist wirklich schwer zu begreifen: Das Anbieten von Sportwetten ist in Deutschland in der Regel nicht vom Gesetz gedeckt. Von Michael Gabel

Aber Spots der Platzhirsche Bwin und Tipico laufen im Fernsehen gefühlt in einer Dauerschleife, und sogar Stars werben dafür, dass die Zuschauer mit Tipps auf Tore, Punkte, Ecken und Gelbe Karten ihr Glück versuchen sollen. Insofern ist es gut, dass sich die für den Glücksspielmarkt zuständigen Bundesländer nun auf klare Regeln für die Wettbranche einigen wollen. Das hätte schon viel früher geschehen müssen.

Was bei den Sportwetten nun geändert wird, gilt jedoch nicht für Online-Casinos und Online-Pokerturniere. Die Folge davon: Keiner kontrolliert, ob es bei den dort angebotenen Spielen mit rechten Dingen zugeht, ob die Unternehmen die Gewinne auch fair auszahlen, ob Jugendliche konsequent vom Glücksspiel ferngehalten werden und ob Spielsüchtige einen besonderen Schutz genießen.

Dass dem Staat pro Jahr auch noch Steuereinnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe entgehen, ist da fast nebensächlich.

Der nun geplante Eingriff bei den Sportwetten darf also nur ein erster Schritt sein. Auch auf dem wichtigeren, weil größeren Markt der illegalen Online-Casinos sollten die Bundesländer endlich klare Vorgaben machen. Aber zunächst müsste der Staat dort nach dänischem Vorbild Abkommen mit Banken schließen, um Zahlungsströme trocken zu legen. Und er müsste die technischen Möglichkeiten schaffen, um das Netz nach illegalen Anbietern – die oft ihren Sitz in Malta oder auf Zypern haben – zu durchforsten. Das ist aufwendig, gewiss. Aber ohne Gegenmaßnahmen wird sich die Krake Wett- und Casino-Kriminalität immer weiter ausbreiten.

politik@lr-online.de