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Razzien gegen G20-Krawallmacher
Gesinnungsgenossen bei der Polizei?

Hagen Strauß
Hagen Strauß FOTO: Redaktion / LR
Es stimmt, bei Großeinsätzen im gesamten Bundesgebiet besteht immer die Gefahr, dass die eine oder andere Information vorab durchsickert. Doch auffällig ist schon, wie unverhohlen und detailliert im linken Spektrum vor den Razzien der Polizei gewarnt worden ist. Auch bei manchen Behörden scheint es Gesinnungsgenossen links zu geben und nicht nur rechts, wie meist behauptet wird. Jedenfalls könnte der Vorgang die Ermittler noch in Erklärungsnot bringen. Und zwar dann, wenn sich in nächster Zeit herausstellen sollte, dass genau deshalb der erhoffte Schlag gegen die G20-Krawallmacher doch zu einem Schlag ins Wasser geworden ist. Hagen Strauß

Prinzipiell gilt: Das Vorgehen der Polizei in zahlreichen Bundesländern ist ein klares Zeichen zunächst an die Autonomen, dass sie auch fünf Monate nach den Ausschreitungen keine Ruhe haben. Die Krawalle rund um den Gipfel in Hamburg im Juli waren in ihrer Brutalität beispiellos, gar eine Zäsur. Selbst auf dem Höhepunkt der harten Anti-Atomkraft-Proteste Anfang der 1980er Jahre hat die Republik nicht ein solches Ausmaß an Gewalt erlebt. Nicht nur gegen Polizisten. Sondern auch gegen völlig Unbeteiligte, deren Hab und Gut blindlings zerstört wurde. Umso wichtiger ist es, dass der politischen Empörung auch Taten gefolgt sind. Die Zahl der Ermittlungsverfahren, die jetzt veröffentlicht wurden, spricht da eine entsprechend deutliche Sprache. Die der Verurteilungen freilich noch nicht. Zumindest dann nicht, wenn man bedenkt, wie groß der Mob gewesen ist, der in Hamburg stramm organisiert gewütet hat.

Das zweite Signal richtet sich an die Mehrheit der Gesellschaft, die die Krawalle seinerzeit fassungslos verfolgt hat: Der Staat handelt, er ist auch auf dem linken Auge nicht blind. In Zeiten der allgemeinen Verunsicherung wegen steigender Kriminalitätsraten und Terrorgefahr wenigstens etwas.