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| 17:25 Uhr

Leitartikel zu Trumps Rassistischen Tweets
Rassen-Wahlkampf

 Guido Bohsem
Guido Bohsem FOTO: LR
Es fällt nicht besonders schwer, Donald Trump Rassismus nachzuweisen. Dass der US-Präsident Vorurteile gegen Minderheiten nicht nur hegt, sondern sie auch ungeniert unter seinen Anhängern befördert, kann nicht mehr als Neuigkeit gelten.

Mögen seine Ausfälle gegen vier demokratische Politikerinnen noch so unappetitlich und daneben gewesen sein, sie zeigen keine weiteren Erkenntnisse über seinen Charakter auf.

Rassismus ist das große unbewältigte Thema der USA, das Trauma dieser großen Nation, ihr Geburtsfehler und ihre Erbsünde. Denn schwarze Amerikaner haben auch 150 Jahre nach dem Bürgerkrieg längst nicht die gleichen Chancen und Möglichkeiten wie Weiße. Dass das Justizsystem gegen sie arbeitet, kann man daran erkennen, dass – obgleich in der Minderheit – mehr Afro-Amerikaner in den Gefängnissen sitzen als Weiße. Dass weniger von ihnen aufsteigen, zeigt sich an ihrem Anteil in Führungspositionen.

Alle Präsidenten der vergangenen Dekaden haben daran gearbeitet, diese Ungleichheit zu beheben, mal mit mehr, mal mit weniger Elan. Mit seinen Bemerkungen scheint Trump diese Tradition verlassen zu wollen. Er schwört seine Anhänger ganz offenbar auf einen Wahlkampf ein, der auf das weiße Amerika gegen das andere Amerika mobilisieren soll. Das ist gefährlich, denn es wird den Graben in der ohnehin gespaltenen US-Gesellschaft weiter vertiefen. Seine Partei, die Partei des Sklavenbefreiers Abraham Lincoln, hat er offenkundig dabei hinter sich. Einen anderen Graben hat der Präsident indes zugeschüttet. Der Konflikt unter den Demokraten im Kongress ist nach seiner Attacke erst einmal beigelegt.

⇥politik@lr-online.de