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| 16:00 Uhr

KOLUMNE MEINE WIRTSCHAFTSWOCHE
Wohl bekomm’s!

 Beate Möschl
Beate Möschl FOTO: LR / Sebastian Schubert
Kolumne. Sieht sie nicht wunderschön aus, unsere Lausitz, im Winterkleid?  

Egal, ob es für Schlittenfahrt und Schneeballschlacht im Flachland mal wieder nicht gereicht hat, es fasziniert doch immer wieder, im Winter Schneeflocken fallen zu sehen. Auch wenn wir angesichts wiederholter Wetterextreme längst mürbe geworden sind. Und deshalb sogar Bereitschaft zeigen, Prognosen von jahreszeitlichen Verschiebungen oder dem Ende von Frühling, Sommer, Herbst und Winter in historisch bekannter Form nicht mehr nur für bloße Hirngespinste zu halten.

Szenarien von versteppender Landschaft in der Lausitz geistern ja schon seit den 1990er-Jahren durch die Medien. In der Lausitz freilich, hat man sich das genauer angeschaut und eigene Untersuchungen angestellt. Frühzeitig. Das Wegbrechen ganzer Industriezweige mit Tausenden Arbeitsplätzen, die Rekultivierung der Bergbaufolgelandschaften, die Folgen der Globalisierung und der proklamierte Wandel hin zu Nachhaltigkeit waren und sind eine dringliche Einladung dazu. Viele Erkenntnisse aus der Lausitz sind heute wegweisend.

Davon zeugen ein innovativ ausgerichtetes Bergbau- und Stromerzeugungsunternehmen, das als strukturbestimmender industrieller Kern das Herz der Lausitz schlagen lässt, und  ein anpackender, nach vorn denkender  Mittelstand, geführt von klugen Köpfen auch aus der nachwachsenden Generation,  die sich mit Leidenschaft für ihre Heimat und erfolgreich bestellbare Zukunftsfelder einsetzen. Zum Beispiel im Bereich erneuerbarer Energien, bei der Digitalisierung, der Medizintechnik, im Bauwesen und im Handwerk.

33 Projektideen haben Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam entwickelt  und im  Strukturkonzept Lausitz festgeschrieben. Das Konzept soll Karte, Kompass und Finanzierungsrichtlinie sein für den Erhalt und Ausbau der regionalen Wirtschaftskraft auch nach dem Ausstieg aus der Braunkohleverstromung. Für deren Anschubfinanzierung machen sich derzeit länderübergreifend Lausitzer Abgeordnete, Bürgermeister,  Mitglieder der Strukturkommission und Ministerpräsidenten stark. Hoffentlich erfolgreich!

Angesichts dieser vereinten Tatkraft, Hartnäckigkeit und Stärke scheint  Strategen in anderen  Regionen immerhin schon die Spucke wegzubleiben. Unabhängig davon, ob es einen direkten Zusammenhang gibt oder nicht:  Es hat schon ein Geschmäckle, wenn die CSU in Bayern in Zeiten wie diesen die Rettung der Wirtshäuser auf dem Land als Strukturprogramm ausruft, und dafür Finanzhilfen auf den Weg  bringen möchte. Aus Steuermitteln. Bundesweit.

Klar, dass wir die dann hierzulande auch mitnehmen. Denn nicht nur mit den Hitzesommern steigt der Durst, sondern auch, wenn wir hier auch weiterhin reichlich Bruttosozialprodukt erwirtschaften (können).