ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:33 Uhr

Pro zu Klinikschließungen
Wie Tante-Emma-Läden

 Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: LR / privat
Patienten haben heute viel Auswahl. Sie fahren auch ohne Probleme weite Wege. Kliniken auf dem Land erwartet damit das Schicksal von Tante-Emma-Läden. Wir sollten über Schließungen ernsthaft nachdenken Von Christine Keilholz

Patienten haben heute viel Auswahl. Sie fahren auch ohne Probleme weite Wege. Wer eine neue Hüfte braucht, lässt sie nicht irgendwo machen. Patienten wissen heute sehr genau, was sie wollen. Sie entscheiden sich für die Klinik, in der sie die beste Behandlung erwarten können. Das ist längst nicht mehr das Krankenhaus am Rande der eigenen Stadt.

Ein logisches Verhalten, das aber vieles verändert für die Krankenhauslandschaft. Alte Gewissheiten werden über den Haufen geworfen, wenn kleine Kliniken sich nicht mehr auf ihr Einzugsgebiet verlassen können, das ihnen sonst immer zuverlässig Patienten verschafft hat.

Etwas Wesentliches für die Gesundheitsplanung ist damit neu. Aber diskutiert wird medizinische Versorgung noch immer wie früher. Da wird ausgegangen von einem dichten Netz an Krankenhäusern, die jeder Patient innerhalb von wenigen Minuten erreichen muss – egal, wo er wohnt. Was so einleuchtend klingt, ist aber eigentlich nicht mehr nötig. Viele Behandlungen können heute ambulant passieren, manche sogar via Telemedizin vom Arzt aus der Ferne. Medizinische Notwendigkeit für ein wohnortnahes stationäres Angebot, wie wir es heute haben, gibt es so nicht mehr. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Versorgung und gefühlter Versorgung – für Letztere ist das Krankenhaus sehr wichtig.

Das Krankenhaus ist Stein gewordene Sicherheit für die Menschen, dass sie im Notfall in der Nähe gut aufgehoben sind. Entsprechend voll sind die Notaufnahmen im Lande, meist mit Fällen, bei denen keine Not vorliegt. Für die anspruchsvolle Behandlung nehmen wir Patienten dagegen selbstverständlich weitere Wege in Kauf.

Wir fahren auf gut ausgebauten Straßen in einer halben Stunde in die größere Stadt, wie wir es zum Einkaufsbummel auch tun. Kleine Krankenhäuser erwartet damit das Schicksal von Tante-Emma-Läden: Alle wollen ihn in der Nähe haben, gehen aber nur hin, wenn sie bei Kaufland die Butter vergessen haben. Unter diesen Bedingungen kann kein Laden dauerhaft bestehen – und das Krankenhaus auch nicht.

Wenn Patienten selektiv entscheiden, heißt das auch, dass sie die Auswahl haben. So schlecht kann es also um die Versorgung nicht bestellt sein.