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| 18:51 Uhr

Post aus Potsdam
Die Bösen sind die anderen

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: LR / Redaktion
Wer als Politiker einen Newsletter verfasst, hat seinen Mitmenschen in aller Regel etwas mitzuteilen. Anträge, die man im Landesparlament gestellt und unterstützt hat, Reden, die man dort gehalten hat, kleine Anfragen an die Landesregierung, die von dieser beantwortet worden sind.

Und wenn man schon seit Monaten nichts wirklich zu berichten hat? Wenn man mit der Politik seiner eigenen Fraktion vielleicht auch eher etwas unzufrieden ist?

Dann macht man es wie Saskia Ludwig. Die frühere CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende verschickt Woche für Woche einen Newsletter und zeigt damit, wie wichtig es ihr ist, die Bürger in ihrem Wahlkreis Potsdam-Mittelmark über ihre Arbeit zu informieren. In der letzten Ausgabe zum Beispiel verlinkte sie einen Beitrag ihres Fraktionsvorsitzenden Ingo Senftleben im Tagesspiegel, der die Berliner Politik aufforderte, zur Vernunft zu kommen – um dann einmal mehr zu kritisieren, dass sich im Potsdamer Landtag ein „demokratischer Einheitsblock“ gebildet habe. Womit Ludwig vermutlich die geschlossene Ablehnung von AfD-Anträgen durch alle anderen Parteien des Landtags meint – und aus diesem Anlass gleich noch das Vokabular der Rechtsaußenpartei übernimmt.

Gewürzt ist das Ganze mit einer guten Dosis Medienschelte: „Man stelle sich nur einmal vor, mein Kollege, ein ehemaliger erfolgreicher Unternehmer, würde mit einem Porsche 911 GT3 (Listenpreis ohne Extras ab195 137 Euro) in den Brandenburger Landtag nach Potsdam gefahren kommen. Skandal!“, heißt es in dem Newsletter.

Schließlich verübelten die bösen Journalisten einem anderen Abgeordneten ja schon den geleasten Audi Q7. Was Ludwig selbst in der vergangenen Woche für ihre Landtagsdiät getan hat, erfährt der Leser dagegen nicht. Dass sie an den letzten Landtagssitzungen selbst nicht teilgenommen hat, war nur beiläufig in einer früheren Ausgabe erwähnt. Aber man muss eben Prioritäten setzen, auch als Abgeordnete. Schließlich ist es ja sowieso egal, was man als Abgeordnete selbst in Potsdam macht – Hauptsache, man kann die anderen kritisieren.