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| 18:30 Uhr

Post aus Potsdam
Pan gegen Apollon

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: LR / Redaktion
Der alte griechische Hirtengott Pan hatte eine Flöte: Schilfrohre, aneinander gebunden, mit deren Hilfe er sogar versuchte, schöner zu musizieren als Apollon. Von Benjamin Lassiwe

Doch laut Ovid misslang das gewagte Unterfangen dem eher einfach gestrickten Hirtengott gründlich. Apollo mit seiner Kithara begeisterte alle Umstehenden – nur König Midas applaudierte dem flötenden Pan. Mit dem Ergebnis, dass Apollon die Ohren von Midas in Eselsohren verwandelte.

Das ist die Geschichte hinter der Panflöte. An sie denkt man unwillkürlich, wenn man auf die neue Website der Staatskanzlei kommt: www.es-kann-so-einfach-sein.de. Denn dort bläst Alexa, eine moderne, junge Brandenburgerin in eine Panflöte aus Spargel. Was sollte sie auch sonst machen? Schließlich kann ja alles so einfach sein. Und überhaupt: Die Seite macht so richtig Lust auf Brandenburg. Man erfährt, welche Berufe es in Brandenburg so gibt – den „Eigenbestandsbesamer“ zum Beispiel. Oder den „Spreewald-Gondoliere“. Und, na klar, den „Wolfsmanager“. „Wolfsmanager behalten den Überblick über Alphatiere und all jene, die was reißen wollen“, heißt es. Und: „ Ebenfalls gefordert: diplomatisches Talent. Vor allem dann, wenn ein wütender Hirte Schadensersatz für getötete Schafe fordert.“ Ob das Vertreter der Landnutzerverbände wohl noch witzig finden? Und für alle die, die erst mal nach Brandenburg fahren müssen, wird auch die Bahn-Auskunft beworben. Und zwar mit den Worten „Raus ins Erlebnis“. Was ja auch durchaus passend ist, wenn man auf den Treppenstufen des überfüllten Regionalzugs Richtung Cottbus ruckelt. Kann ja halt auch mal ganz einfach sein.

Aber zurück zur antiken Mythologie. Wir waren bei Apollon. Der übrigens war als Gott übrigens nicht nur für die Musik zuständig. Er kümmerte sich auch um die schönen Künste – lebten die alten Griechen noch, wäre er wohl auch für Werbedesigner und Gestalter zuständig. Und in der Potsdamer Staatskanzlei würde der eine oder andere dann heute wohl mit Eselsohren durch die Gegend laufen . . .