ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:54 Uhr

Kolumne Post aus Potsdam
Ente gut, alles gut!

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: LR / Redaktion
Wenn das Fernsehen die Debatten aus dem Brandenburger Landtag zeigte, sah man ihn oft im Hintergrund: Jörg Kunert. Im schwarzen Anzug lief er durch die Reihen, in der Hand meist einen gelben Aktendeckel.

27 Jahre lang arbeitete Kunert im Landtag, zuletzt als Leiter der Geschäftsstelle. Und an Plenartagen war er Saaldiener, brachte den Ministern ihre Posttaschen und den Abgeordneten die für das Protokoll freizugebenden Redemitschriften. Gut zwölf Kilometer Laufstrecke pro Plenartag, gut 44 500 gedruckte und im Haus verteilte Drucksachen stehen in seiner Bilanz. Am Freitag wurde er mit stehenden Ovationen im Landtag in den Ruhestand verabschiedet – und das verdient, denn Kunert war einer jener stillen Helfer, die im Hintergrund den Landtag prägen und ohne deren Einsatz wohl keine Plenardebatte möglich wäre.

Ganz und gar nicht still war dagegen stets Sven Petke. Auch er hatte am Freitag seinen letzten Plenartag, denn nach 19 Jahren Landtag übernimmt das Urgestein der CDU-Fraktion nun die Leitung des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sarajevo. Seine letzte Rede wurde ein staatsmännisches Lob der Demokratie, in dem Petke vor allem den „leidenschaftlichen, mit Wertschätzung geführten Streit“ im Landtag würdigte. Und in der Tat: Leidenschaftlich streiten konnte Petke wie kein Zweiter, besonders mit dem Abgeordneten Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke).

Und wie es die Tagesordnung so wollte, war Scharfenberg dann nach ihm dran. „Lieber Herr Petke, wir können noch gar nicht erahnen, was es bedeuten wird, wenn Ihr strategischer Weitblick und Ihre analytische Tiefe diesem Landtag fehlen wird“, sagte Scharfenberg. „Ich hoffe, dass Sie eine Form der Zufriedenheit finden können, die über Selbstgefälligkeit hinausgeht.“

Und dann griff Scharfenberg in seine Sakkotasche und holte eine kleine, gelbe „kampferprobte Quietscheente“, wie sie einst von der Stadt Brandenburg (Havel) im Kampf um die Kreisfreiheit verwandt wurde, heraus, um sie Petke zu überreichen: „Ente gut, alles gut, Herr Petke!“