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| 19:23 Uhr

Kolumne Post aus Dresden
Sehr schwerfällig und behäbig

Von Christine Keilholz
Von Christine Keilholz FOTO: LR / Redaktion
Am Wegesrand lassen sich noch Entdeckungen machen. Der Leipziger Biodiversitätsforscher Manfred Türke sammelte über Monate im Leipziger Auwald Spanische Wegschnecken. Von Christine Keilholz

Das ist eine Nacktschneckenart, deren Exkremente Türke dann unter dem Mikroskop untersuchte. Und siehe da: In den Hinterlassenschaften der Schnecken hockten viele winzige Hornmilben, von denen die meisten auch noch ziemlich fidel waren.

Türke fand heraus, dass diese Milben, die nicht mal einen Millimeter groß sind, sich auf originelle Weise verbreiten. Sie lassen sich von Schnecken fressen, mit denen sie dann gemeinsam auf Reisen gehen. Dadurch erschließen sich den Milben völlig neue Lebensräume, die sie ohne das Transportmittel Schnecke nie erreichen würden. Dafür muss die Milbe es aber durch den Schneckendarm schaffen, was auch nicht ohne ist. Wissenschaftler nennen diese clevere Methode Verdauungsausbreitung, die allerdings bei Tieren selten vorkommt.

Kennt man sonst eher von Kirschkernen, die sich von Amseln fressen lassen, um dann ganz woanders zu landen. Nun könnte man einwenden: So eine Schnecke kommt nicht gerade flott voran. Stimmt, aber die Milben werden von Experten als äußerst schwerfällig und behäbig beschrieben. Die schnellste Hornmilbe bringt an einem Tag durchaus mal zwei Zentimeter Flachland hinter sich. Eine Nacktschnecke indes schafft problemlos 15 Meter.