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| 18:23 Uhr

Post aus Dresden
Haushalt im Video

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: LR / Redaktion
Wer durch seine Timeline scrollt und sich fragt, warum da so viele Videos Schlange stehen, die ungefragt anspringen, wo einem dann irgendwer, den man kaum kennt, in die wackelnde Kamera sagt, was er gerade Supercooles tut oder gleich tun wird, dem sei hier die Antwort gegeben, und diese Antwort ist kurz: Die Welt ist uncool. Von Christine Keilholz

Die meisten Menschen sind uncool und sie tun meistens Dinge, die man ehrlicherweise uncool nennen muss. Muss man aber nicht. Man kann auch sagen, diese Dinge sind notwendig, oder es gibt Geld dafür.

Gerade Menschen, die einer geregelten Arbeit nachgehen, kennen diese Eingekeiltheit zwischen Tätigkeiten, die uncool sind, weil sie einem zu wenig abfordern oder zu viel, und deren Sinn man am Ende des Tages nicht in einen einfachen Satz packen kann. Aber der Mensch hat das Bedürfnis, seinem täglichen Tun einen Sinn zu geben. Oder zumindest den Anschein von Sinn. Dafür, und für nichts anderes, gibt es jetzt allerorten diese nervigen Videos.

Gemeint sind natürlich nicht die Videos, die Rundschau-Reporter drehen, um den Lesern Einblicke in die journalistische Arbeit zu eröffnen. Gemeint sind vielmehr Videos wie „Sachsen macht den Haushalt – der Film“. Ja, gibt es jetzt wirklich. Anscheinend hat da wieder einer Humor gehabt im kurfürstlichen Ministerium der Finanzen. Das nämlich begleitet neuerdings mit einem „originellen Video“ das „aktuelle Verfahren zur Haushaltsaufstellung“.

Ganz ehrlich, Haushaltsaufstellung ist kein reizvoller Filmstoff. Jeder kennt das von zu Hause. Wer einmal seinem Kind verklickern wollte, dass das teure Smartphone, das es erst zu Weihnachten gab, noch bis nächstes Weihnachten gut genug ist, der kann auch nachvollziehen, wie zäh, schweißtreibend und alles in allem sinnlos Verhandlungen zum Landeshaushalt sind. Unwiederbringliche Lebenszeit geht verloren, während man Leuten versucht zu verklickern, dass Wolfsmanagement billiger kommt, wenn man den Wolf einfach in Ruhe lässt.

Doch unbeeindruckt von der Ödnis des Themas, erfreut uns nun das Finanzministerium mit einem Video, das auf „einfache und verständliche Weise“ erläutert, wie Haushalt geht, von der Idee bis zum fertigen Gesetz. Den kurzweiligen Dreiminüter gibt es auf https://www.finanzen.sachsen.de und demnächst auch in der Timeline.