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| 02:43 Uhr

Pofalla soll bei der Deutschen Bahn erst mal klein anfangen

Quasi von der Pike auf soll Ronald Pofalla als künftiger Mitarbeiter der Deutschen Bahn das Transportgeschäft lernen.
Quasi von der Pike auf soll Ronald Pofalla als künftiger Mitarbeiter der Deutschen Bahn das Transportgeschäft lernen. FOTO: dpa
Berlin. In der umstrittenen Personalie Ronald Pofalla zeichnet sich eine Lösung ab. Wie die RUNDSCHAU aus Bahnkreisen erfuhr, will Bahnchef Rüdiger Grube dem Konzern-Aufsichtsrat bei seiner Sitzung Ende März vorschlagen, den früheren Kanzleramtsminister und engen Vertrauten von Angela Merkel schrittweise in den Vorstand des Unternehmens zu holen. Werner Kolhoff

Demnach soll Pofalla, der derzeit "nur" noch einfacher CDU-Bundestagsabgeordneter ist, ab 1. Januar 2015 bei der Bahn Leiter der Abteilung Wirtschaft, Politik und Regulierung werden, die rund 45 Mitarbeiter beschäftigt. Der 54-Jährige wird damit zwar der oberste Lobbyist des Unternehmens, jedoch noch nicht Mitglied des Vorstands. Der Posten ist unterhalb der Top-Ebene angesiedelt und direkt Grube unterstellt. Der bisherige Amtsinhaber, der frühere CDU-Abgeordnete Georg Brunnhuber, wurde von Grube bereits gebeten, trotz Überschreitens der Altersgrenze bis Ende des Jahres weiterzumachen. Brunnhuber wurde im Februar 66 Jahre alt.

Zugleich will Grube dem Aufsichtsrat vorschlagen, die künftige Vorstandsstruktur zu ändern. Demnach soll mittelfristig Pofallas Bereich inklusive "Europäische Angelegenheiten" mit dem Vorstandsressort für Compliance (Regeltreue), Datenschutz, Recht und Konzernsicherheit zu einem Vorstandsposten zusammengefasst werden. Möglicherweise werden Teilaufgaben auch anderen Vorständen zugeordnet. Bisheriger Amtsinhaber für Compliance ist Gerd T. Becht, dessen Vertrag altersbedingt am 28. Februar 2017 ausläuft. Laut den Informationen will Grube dem Aufsichtsrat vorschlagen, Pofalla bereits Anfang 2016 als Nachfolger Bechts zu benennen. Es sei, hieß es in Bahnkreisen, durchaus üblich, dass Vorstandsposten mit einem Jahr Vorlauf entschieden würden. Becht habe dann die Möglichkeit, auch schon früher auszuscheiden und an Pofalla zu übergeben. In jedem Fall werde so erreicht, dass die Zahl der Vorstandsposten nicht ausgedehnt werde.

Ursprünglich hatte Grube die Zahl der Top-Manager mit der Einstellung Pofallas auf neun anheben wollen. Das war im Aufsichtsrat auf scharfe Kritik gestoßen. Jetzt bleibt es bei acht Vorständen, die jeweils mit rund 1,3 bis 1,8 Millionen Euro im Jahr vergütet werden. Als Abteilungsleiter wird Pofalla zunächst deutlich weniger verdienen. Mit dem schrittweisen Einstieg des Politikers dürfte auch eine Bedingung der Bundeskanzlerin erfüllt sein, die sich während der öffentlichen Debatte um die Personalie dafür ausgesprochen hatte, eine Karenzzeit beim Wechsel von der Politik in die Wirtschaft einzuhalten.

Ronald Pofalla wird bei der Bahn erst einmal deutlich weniger als gedacht verdienen.
Ronald Pofalla wird bei der Bahn erst einmal deutlich weniger als gedacht verdienen. FOTO: dpa