| 22:33 Uhr

Kommentar
Energie-Fans zu Unrecht abgestempelt

Das Regionalliga-Derby zwischen Babelsberg und Cottbus fand am Sonntag ohne Energie-Fans statt. RUNDSCHAU-Reporter Jan Lehmann erklärt in seinem Kommentar, warum der leere Gästeblock eine verpasste Chance war.
FOTO: Jan Kuppert / ZB

Nazis raus aus den Stadien – ein weißes Banner mit diesem Slogan hing am Sonntag im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion an jener Stelle, wo sonst eigentlich die Gästefans stehen. Doch die rot-weißen Cottbuser durften nicht an diesem schönen Derby-Frühlingstag teilhaben, weil im Vorjahr randalierende Rechtsradikale mit Nazi-Parolen, Hitlergrüßen und einem Platzsturm Chaos gestiftet hatten. Nun also ein weißes Banner im Sonnenschein – es fühlte sich einfach falsch an. Nein, nicht der Slogan. Meinetwegen hätte da sogar stehen können: „Nazis raus aus unserem Sonnensystem.“ Aber das Zeichen nach außen ist falsch: Energie Cottbus ist nicht rechtsradikal, nicht alle FCE-Fans sind Faschisten, die Lausitz ist nicht die mittlerweile abgestempelte, hoffnungslose Nazi-Hochburg. Sicherlich gibt es in Südbrandenburg ein ernsthaftes Problem mit rechtsradikalen Strukturen. Und gerade deshalb hätten am Sonntag die echten Cottbuser Fans in dieses Stadion gehört. Sie hätten zeigen können, dass das Lausitzer Fußballvolk genau so bunt sein kann wie das im Babelsberger Block. Stattdessen wurde es mit einer Kollektivstrafe und letztlich auch mit diesem weißen Banner zu Unrecht abgestempelt.

jan.lehmann@lr-online.de

Jan Lehmann
Jan Lehmann FOTO: Sebastian Schubert / LR