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| 01:04 Uhr

Palästinenser stimmen für Abbas

Mit einer deutlichen Mehrheit der Wählerstimmen tritt Mahmud Abbas die Nachfolge von Jassir Arafat als Präsident der Palästinenser an. Der 69-Jährige soll nun einen neuen Anlauf zu einer Friedenslösung im Nahen Osten nehmen. Von Carsten Hoffmann,

Dabei kann sich der auch als Abu Masen bekannte Abbas nach Umfragen auf etwa Zweidrittel der gestern abgegebenen Stimmen stützen.
"Dieser Prozentanteil gibt Abu Masen ein Mandat, um einen Dialog für eine Verständigung über einen Frieden zu beginnen, der auf dem Friedensplan basiert", sagte Ahmed Abdel Rahman, ein Politiker aus den Reihen der Fatah-Organisation. Ohne israelische Behinderungen der Wähler hätte Abbas noch mehr - etwa 70 Prozent der Stimmen - erhalten können, meint er.
Doch palästinensische Beobachter mahnen zu vorsichtiger Betrachtung. Für sein Programm eines Ausgleichs mit Israel müsse Abbas eine breite Unterstützung seines ganzen Volkes haben, sagt der Kommentator Hani el Masri. "Einige politische Kräfte werden versuchen, ihm die nötige Machtbasis für sein Programm abzusprechen", meint er.
Noch in der Nacht fuhren im Zentrum von Ramallah im Westjordanland bewaffnete Männer in ihren Autos auf. In den wilden Jubel mischten sich ballernde Freudenschüsse. Nicht alle Palästinenser reagieren begeistert. Es seien die Leute von Abbas selbst, die hier bestes Beispiel für Gesetzlosigkeit seien, sagt Mahmud Ower. "Wir wollen in Würde leben, wir wollen wirtschaftliches Wachstums oder zumindest behalten, was wir haben", fordert er.
Die israelische Regierung hat zudem bereits angekündigt, dass sie von Abbas nach der Wahl ein konsequentes Vorgehen gegen militante Organisationen erwartet. Bei der Forderung nach einem Ende terroristischer Anschläge werde es keine Kompromisse geben, hat der israelische Regierungschef Ariel Scharon gewarnt. Beide Politiker wollen ein baldiges Treffen. Abbas ist nach palästinensischer Erwartung auf schnelle israelische Zugeständnisse angewiesen.