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Kolumne Meine Wirtschaftswoche
Ostdeutsche Antwort auf „Micky Maus“

Peter Blochwitz
Peter Blochwitz FOTO: Sebastian Schubert / LR
Im Jahr 1955 wurde in der DDR eine Zeitschrift gegründet, die eine Antwort auf die „Micky Maus“-Hefte und andere Comics des Klassenfeindes sein sollte: das „Mosaik“.

War es eine Antwort? Fraglos!

Das „Mosaik“ war weitgehend ideologiefrei und deutlich unterhaltsamer als die Schule. Und dümmer ist man beileibe nicht geworden, im Gegenteil. Was habe ich mit den Digedags alles von der Welt gesehen und an geschichtlichen Fakten gelernt! Und über Runkels Ritterregeln geschmunzelt: „Ein Ritter, der vom Pferde fällt, der ist ein Tölpel und kein Held.“ Oder: „Ein Ritter, der ein Stück geflogen, wird meistenteils total verbogen!“ Ach, diesen noch: „Die Mühen um der Frauen Gunst sind für den Ritter nie umsunst!“

Zugegeben, als sich Digedag-Vater Hannes Hegen mit dem Verlag überwarf und ab 1975 die Abrafaxe auf der Bildfläche erschienen, erlahmte mein Interesse. Die Digedags waren das Original, und basta. Trotzdem habe ich auch den Weg  von Abrax, Brabax und Califax verfolgt – vor allem nach 1989, als so vieles in Ostdeutschland den Bach runterging.

Die Abrafaxe hielten sich hartnäckig. Diese charmanten Welt-Erklärer, die stets auf der Seite der Schwachen stehen, haben ihren festen Platz im Kapitalismus gefunden. Inzwischen steht das „Mosaik“ als längster Fortsetzungscomic im Guiness-Buch der Rekorde.

Und die Auflage des gedruckten Heftes wächst seit 2011 stetig, das ist im digitalen Zeitalter eine starke Leistung. Laut der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) – was für ein herrlich sperriger Begriff, fällt uns dazu eigentlich eine Ritterregel ein? Laut IVW also lag die Auflage des monatlich erscheinenden Heftes im vierten Quartal 2017 bei rund 70 600 Exemplaren. Und damit, das teilte der Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag dieser Tage freudestrahlend in Berlin mit, ist das „Mosaik“ jetzt das meistverkaufte Comic-Heft Deutschlands! Es liegt also auch vor „Micky Maus“ (64 500 verkaufte Exemplare)!

Äh, wer oder was war noch mal „Micky Maus“?