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Kommentar
Opfer und Täterzugleich

Bodo Baumert
Bodo Baumert FOTO: Sebastian Schubert / LR
Die Droge Crystal Meth ist wie ein Geschwür, das sich in der Lausitz ausgebreitet hat. Die Folgen lassen sich an vielen Punkten feststellen. So auch im Gerichtssaal, wo der Senftenberger Sven M. am Montag verurteilt wurde. Der 37-Jährige ist selbst seit Jahren abhängig und dealt, um sich seine eigene Sucht zu finanzieren. So werden andere abhängig, dealen, klauen, rauben – und die Spirale dreht sich weiter. Von Bodo Baumert

Es geht aber nicht nur darum, die Dealer hart zu bestrafen. Das Problem sitzt tiefer. Es ist ein Kampf gegen den Zeitgeist: Immer wach, leistungsfähig, belastbar – so verführt das scheinbare Wundermittel nicht nur Junkies, sondern auch gestresste Mütter, überarbeitete Manager oder Kurierfahrer. Doch Crystal ist kein Allheilmittel, es ist ein Teufelszeug. Um seinen Vormarsch zu stoppen, braucht es dringend mehr Aufklärung, mehr Therapie-Plätze, mehr Nachsorge, mehr Mittel für die Mediziner in Kliniken, die etwa in Senftenberg an ihre Grenzen stoßen.

Das alles kostet Geld, viel Geld. Aber es ist gut angelegt. Wer das bezweifelt, sollte sich nur einmal die jüngsten Opfer ansehen: Babys der Crystal-Mütter, die schon mit Hirnschäden auf die Welt kommen.
bodo.baumert@lr-online.de