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| 15:13 Uhr

Leitartikel Neuer Posten für Kramp-Karrenbauer
Noch ein langer Weg für AKK

FOTO: krohnfoto.de
Annegret Kramp-Karrenbauer – AKK genannt – hat alles, was es braucht, um Kanzlerin zu werden; ab nächsten Montag auch eine bundespolitische Bühne. Sie hat Linie, Regierungserfahrung und Selbstvertrauen. Was noch fehlt, kann jetzt kommen: Die bundesweite Bekanntheit, vielleicht sogar eine gewissen Beliebtheit, die Akzeptanz in der Partei und in der Öffentlichkeit. Von Werner Kolhoff

Die Berufung zur CDU-Generalsekretärin ist klar als erster Schritt für den Wechsel an der Spitze der Regierung zu verstehen; anders macht er keinen Sinn. Das ist auch der Grund, warum AKK nicht Ministerin wird, sondern einen Job bekommt, in dem sie beweisen kann, wie integrativ sie ist. Das ist die Ur-Voraussetzung für den CDU-Vorsitz und eine Kanzlerschaft.

Die saarländische Ministerpräsidentin war daheim erfolgreich, sie hat keine Not, nach Berlin zu gehen. Sie könnte sogar, das macht ihre mentale Stärke aus, ganz ohne eine vom Amt gegebene Bedeutung leben. So wie Angela Merkel auch. Es gibt ja Politiker, die brauchen hohe Ämter für ihr Ego. Oder ersatzweise wenigstens ein dickes Einkommen aus einer nachfolgenden Lobbytätigkeit mit dicken Zigarren. Und es gibt solche, deren Ego von so etwas ziemlich unabhängig ist. Die Politik machen, weil sie gerne Dinge regeln, Menschen zusammenbringen, Kompromisse und Lösungen finden, Verantwortung tragen. So eine ist Kramp-Karrenbauer.

Freilich, bevor die heute 55-Jährige Kanzlerin werden kann – oder besser gesagt: Kanzlerkandidatin – muss sie CDU-Vorsitzende werden, und davor liegen mindestens zwei heikle Jahre, in denen sie sich als Generalsekretärin bewähren muss. Merkel kann ihre Ämter ja nicht im Stile eines Gutsbesitzers weitergeben; da ist auch in der CDU mittlerweile eine kritischer gewordene Basis vor. Außerdem werden sich andere Interessenten, etwa Ursula von der Leyen oder Jens Spahn, zu wehren suchen.

Kramp-Karrenbauer wird unter Druck kommen in der ungeklärten Richtungsdebatte zur Flüchtlings- und Islam-Frage, sie wird unter Druck kommen in den Wertedebatten ihrer Partei, sie wird unter Druck kommen in der offenen strategischen Orientierung: Will man langfristig ein Bündnis mit den Grünen anstreben, mit der FDP oder sogar, bisher noch undenkbar, sich zu Teilen der AfD öffnen? Die Antworten von AKK sind bei diesen Fragen meist liberal, und sie schmecken längst nicht jedem in der CDU.

Außerdem hat bei der nächsten Kanzlerkandidatur auch die CSU noch ein Wörtchen mitzureden. Sie fand schon zwei Mal in der Unionsgeschichte in ähnlicher Situation, dass sie den besseren Bewerber aufzubieten hatte; sie will auch heute einen konservativeren Kurs. Die 2,6 Kilometer vom Konrad-Adenauer-Haus bis zum Bundeskanzleramt in Berlin können für Kramp-Karrenbauer also noch verdammt lang werden.