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| 19:11 Uhr

Kolumne Post aus Dresden
Nicht nach Berlin

Christine Keilholz
Christine Keilholz FOTO: Redaktion / LR
Da nun auch die Sozialdemokraten ihre Köpfe für das neue Kabinett bekannt gegeben haben, kann die Nation aufatmen. Es bleibt das meiste so, wie man es kennt und auch schätzt. Viel und wild ist vorher spekuliert worden, wer wohl bald „nach Berlin geht“. Gerne erinnern wir hier nochmal an jene, denen das nun erspart bleibt. So bleibt Sachsens SPD-Chef Martin Dulig auch weiterhin zweiter Mann in Sachsen, statt elfter Mann in der Bundesregierung. Integrationsministerin Petra Köpping kann ihr Integrationswerk in Sachsen ungestört fortsetzen. Daniela Kolbe, einst Spitzenkandidatin im letzten Bundestagswahlkampf, bleibt vorerst Abgeordnete. Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung kann in Ruhe seinen 60. Geburtstag feiern und muss sich nicht auf die unmögliche Mission begeben, in Berlin eine Wohnung zu finden.

Berlin ist schon okay, aber gemessen an dem Brimborium, das immer so gemacht wird, bleibt die reale Stadt ein leeres Versprechen. Alle meinen, sie müssten da hin, weil sie so gerne mitessen wollen am großen Kuchen. Bis sie merken, dass sie im Café Einstein nie Klaus Kleber treffen. Dass sie für einen Termin auf dem Amt ein Zelt mitbringen sollten. Und dass auch der Spät-Shop irgendwann schließt. Man denkt, man trifft Einheimische, stattdessen sind da nur Migranten aus Münster und Heilbronn und Bad Kissingen, die künstlich berlinern. Alle halten Berlin für so end-cool, dabei haben die uncoolsten Städte der Republik ihre größten Klugscheißer dorthin verfrachtet. Und den Flughafen kriegen sie auch nicht fertig.

Wer gescheit ist, der fährt am besten hin und wieder nach Berlin und dann schnellstens wieder heim nach Guben und setzt sich zum Feierabend in den Garten. Ist doch so.