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| 19:35 Uhr

Verhängnisvoller Mietstreit
Handeln statt heulen

Jan Siegel
Jan Siegel FOTO: Sebastian Schubert / LR
Die Situation scheint eindeutig: Einer Großfamilie mit sieben Kindern in Cottbus droht die Obdachlosigkeit, weil die böse Hausverwalterin sie aus ihrem gemieteten Haus in Gallinchen vertreiben will. Und das alles zur Weihnachtszeit. Das ist der Stoff, aus dem schon erfolgreich Filme gedreht worden sind.

Aber jetzt mal Tränen abgewischt und nüchtern analysiert: In diese Situation hätte die Familie nicht kommen müssen. Seit Monaten ist klar, dass die Hauseigentümer das Mietverhältnis beenden wollen. Ein Gericht hatte die Räumung im Frühjahr für rechtens erklärt. Ein Vergleich hat Aufschub gebracht. Miet-Alternativen für die Familie gab es und gibt es immer noch.

Wer in solch eine Situation gerät, muss vor allem eines tun, sich kümmern. Wer selbst überfordert ist, kann sich Hilfe suchen. Auch dafür hat es Angebote gegeben. Die Vogel-Strauß-Methode – den Kopf in den Sand zu stecken, bis die „Katastrophe“ unabwendbar scheint – ist ganz bestimmt die falsche Taktik.

Ja, es ist wahr: Kinder sind unser aller Zukunft, und große Familien brauchen manchmal auch besonders große Hilfe. Narrenfreiheit aber brauchen sie nicht.

Die Eltern müssen, schon im Interesse ihrer sieben Kinder, die Hilfsangebote annehmen und alternativen Wohnraum beziehen. Alles andere ist verantwortungslos.
jan.siegel@lr-online.de