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| 16:30 Uhr

KOLUMNE MEINE WIRTSCHAFTSWOCHE
Neuer Zeitgeist in Arbeit

Beate Möschl
Beate Möschl FOTO: Sebastian Schubert / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Hoppla, da sind wir schon wieder mittendrin in der Diskussion um Anspruchsdenken, die Zukunft der Arbeit und den Wert von Zugeständnissen durch Beschäftigte in der Annahme, diese sichern ihre Jobs. Schon der erste Arbeitstag 2018  hat Ostsachsen die nächste Hiobsbotschaft gebracht. Zur Sorge um die Arbeitsplätze beim Siemens-Turbinenbau und im Bombardier-Waggonbau kommt nun das Insolvenzverfahren über die WBN Waggonbau Niesky GmbH mit rund 400 Arbeitsplätzen.

Wer demgegenüber die schon 2017 eröffnete Tarifforderung der IG Metall nach einer 28-Stunden-Woche auf Zeit mit anteiligem Lohnausgleich für junge Eltern oder Beschäftigte, die Angehörige pflegen, sieht, mag denken, ob es nicht ganz andere Probleme gibt. Die Antwort ist: Genau diese Debatte um die Kultur der Arbeit und den Wert des Menschen muss wieder geführt werden – auch aus Sicht der Beschäftigten. Dass die heute übliche Verdichtung von Arbeitsprozessen, ständige Verfügbarkeit und prekäre Beschäftigungsverhältnissen ihren Tribut fordern, zeigen die jährlichen Gesundheitsreporte der großen Krankenkassen in Deutschland. Immer mehr Beschäftigte fallen immer öfter längere Zeit krankheitsbedingt aus. Andererseits rücken nicht genügend junge Fachkräfte nach. Die in den zurückliegenden Jahren deshalb gern praktizierte Verlängerung der Wochenarbeitszeit oder die Heraufsetzung des Rentenalters können nicht die Lösung sein. Wer länger arbeiten soll – auf die Lebenszeit gesehen –, der muss sich über die Länge der Distanz seine Kräfte auch einteilen können.

Es führt kein Weg daran vorbei, Arbeit und Arbeitszeitmodelle neu zu denken. Natürlich unter Berücksichtigung der Digitalisierungsprozesse und der Fortschritte in der Umwelttechnik, die einerseits im großen Stil Millionen von Arbeitsplätzen beispielsweise in der Autoindustrie freisetzen werden – wo werden diese Fachleute dann beschäftigt sein? – und andererseits schon helfen, Fachkräfte zu entlasten, Prozesse zu optimieren und kleinere Engpässe auszugleichen, an Stellen, wo der Mensch nicht zwangsläufig anpacken muss. Das Jahr 2018 könnte dabei wegweisend sein.