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| 18:24 Uhr

Politiker und der Kurznachrichtendienst
In Twitterlänge

Benjamin Lassiwe
Benjamin Lassiwe FOTO: Redaktion / LR
280 Zeichen. So lang sind neuerdings die Kurzbotschaften im sozialen Netzwerk Twitter. Wörter wie „Oberweserdampfschiffahrtsgesellschaftskapitän“ können nun problemlos getweeted werden, ohne dass sie jede weitere Aussage unmöglich machen. Und sogar ein ganzer Landtagsantrag kann nun per Twitter verbreitet werden.

Vorausgesetzt natürlich, er kommt von Menschen, die sich nicht unnötig Gedanken zum Beispiel über etwas so Profanes wie eine Begründung machen. Also ganz konkret von der Fraktion der Alternative für Deutschland (AfD). Genau wie die Brandenburger CDU nämlich hat die AfD für die nächste Landtagssitzung einen Antrag zur Auflösung des Landtags eingereicht. Die CDU begründet das ausführlich. Auf einer guten Seite wird über die Volksinitiative gegen die Kreisreform und über Dietmar Woidkes überraschende Absage referiert. Und auch das Fehlen einer langfristig ausgerichteten, seriösen und dem Wohl des Landes verpflichteten Regierungsarbeit wird von den Christdemokraten ins Feld geführt.

Anders die AfD. Ihr Antrag ist problemlos nicht nur bei Twitter, sondern auch in diesem Text zitierbar. Unter der Überschrift „Auflösung des Landtags Brandenburg“ steht dort: „Der Landtag möge beschließen: Gemäß Art. 62 Absatz 2 der Landesverfassung Brandenburg wird der Brandenburgische Landtag der 6. Wahlperiode aufgelöst.“ Mehr nicht.

Wenn Historiker eines fernen Tages im Brandenburger Landeshauptarchiv über diesen Antrag stolpern werden, werden sie sich vermutlich ernsthaft wundern. Aber die politische Arbeit der AfD zielt ja ohnehin nicht auf Zustimmung anderer Fraktionen. Es geht schlicht darum, populistische Äußerungen in den sozialen Netzwerken zu verbreiten, um so die größtmögliche Zustimmung der eigenen Anhänger zu erhalten. Und dafür wiederum war der knapp 200 Zeichen lange Antrag nun wirklich ideal.