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| 18:18 Uhr

Kolumne Post aus Dresden
’ne Flasche Bier

Von Christine Keilholz
Von Christine Keilholz FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Sebastian Schubert
Der Donnerstag vor den Sommerferien ist im Landtag üblicherweise ein Sitzungstag. Aber keiner, an dem noch parlamentarische Sternstunden zu erwarten sind. Weil der Hausherr zum Grill einlädt.

Am frühen Nachmittag macht sich unter den 126 Abgeordneten Ermattung breit. Wenn die ersten Rauchschwaden aus dem Innenhof ins Plenum einströmen, hat keiner mehr Lust auf lange Reden. Bei den letzten Anträgen sind dann alle auf seltsame Art einmütig. Wozu streiten so kurz vor den Ferien. Und wenn dann noch kurz vor dem Abendmahl die AfD-Fraktion mit einem Antrag kommt, dann diffundieren die Kollegen dezent durch die Flügeltüren.

Wer das an diesem Tag tat, der hat allerdings was verpasst. Denn die AfD ging mit einem originellen Vorschlag nach vorn, um Jugendliche vom Alkoholkonsum abzuhalten. Sprecher André Wendt dachte an „Testkäufe durch Jugendliche, welche unter rechtsstaatlicher Kontrolle durchgeführt werden“. Damit will der 46-jährige Berufssoldat Verkäufern auf die Schliche kommen, die beim Alter ihrer Kunden fünfe grade sein lassen. Die anderen Fraktionen fanden die Idee eigenartig. „Kinder und Jugendliche zum Kauf von Alkohol anzustiften, um Alkoholverkäufe an Kinder und Jugendliche zu unterbinden“, sagte der Linke René Jalaß, „da muss man erstmal drauf kommen.“

Das gab herzhafte Lacher unter denen, die noch da waren. Einige aber waren echt betroffen, wie der Grüne Volkmar Zschocke, der der AfD vorwarf, ahnungslose Kinder zu „Gehilfen für Ihre Politik der harten Hand“ machen zu wollen. Weil alle so lachten, wurde der einbringende Wendt sauer und pfefferte zurück: „Im Gegensatz zu Ihnen machen wir wenigstens was.“ Die Wogen glätten konnte die zuständige Ministerin Barbara Klepsch (CDU). Sie erinnerte daran, dass jedes Glas Alkohol in der Hand eines Jugendlichen „vorher durch die Hand eines Erwachsenen geht. Das sollten wir nicht vergessen, meine Damen und Herren.“

Den Rest ihrer ermahnenden Worte gab sie freundlicherweise ungesagt zu Protokoll, damit niemand länger dürsten müsse, denn im Hof wurden schon erste Weizenbiere aufgekorkt.